Tarifkonflikt

Bleibt der Pilotenstreik jetzt aus?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Tarifkonflikt bei der Lufthansa

Seit Monaten ringen die Lufthansa und ihre Piloten um neue Regeln für die Übergangsrente der Flugkapitäne. Ein neuer Pilotenstreik ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber immerhin wollen sich beide Seiten an diesem Donnerstag wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Was erwarten die beiden Tarifparteien von dem Gespräch?

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens hat der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) angeboten, einen Verhandlungsprozess festzuschreiben, an dessen Ende gegebenenfalls eine fest vereinbarte Schlichtung steht. Die Fluggesellschaft hofft nun auf eine Einigung über einen Fahrplan. Die bisherigen Regelungen zur Übergangsrente sollen bis 2016 beibehalten werden, um Zeit für eine Lösung zu haben. Mit der Kabinengewerkschaft Ufo hatte die Lufthansa erst kürzlich einen Fahrplan zu verschiedensten Themen vereinbart. VC erwartet, dass das „Lufthansa-Management seine Forderungen korrigiert und endlich auf einen ernsthaften und ehrlichen Lösungskurs einschwenkt“.

Sind Pilotenstreiks vom Tisch?

Cockpit hält grundsätzlich an der Streikankündigung fest. Wann und wo es zu einem Ausstand kommen könnte, steht nach wie vor nicht fest. Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft einen Tag vorher ankündigen.

Was ist der Grund für den Konflikt?

Die Lufthansa will die Regeln für die Frühverrentung der Piloten ändern. Bislang erhielten die rund 5400 Kapitäne und Kopiloten in der Regel ein Jahreseinkommen von 124.000 Euro brutto bis zur gesetzlichen Rente. Im Schnitt gehen die Lufthansa-Piloten derzeit mit 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das Eintrittsalter wegen der hohen Kosten und der international auf 65 Jahre hochgesetzten Altersgrenze für Verkehrspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen.

Was sagt Cockpit?

„Ganze Lebensplanungen werden so zunichtegemacht“, kritisiert die Gewerkschaft. Als die Piloten angefangen hätten, hätten sie per Arbeitsvertrag die Möglichkeit gehabt, ab dem 55. Lebensjahr aus dem aktiven Flugdienst auszuscheiden. Jetzt versuche das Management, sie faktisch dazu zu zwingen, bis zu acht Jahre länger zu arbeiten. Cockpit ist bereit, Kostensenkungen gegenüber dem bisherigen Vertrag zu akzeptieren.

Was sagt die Lufthansa?

Das Unternehmen argumentiert mit hohen Kosten und verweist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach die Piloten bis 65 fliegen könnten, sofern sie fit blieben. Bis zu dem Urteil im Jahr 2011 galt bei der Lufthansa eine interne Altersgrenze von 60 Jahren. Drei Lufthansa-Piloten hatten vor Gericht dagegen gekämpft, mit 60 Jahren in den Zwangsruhestand geschickt zu werden. Im vergangenen September kündigte die Lufthansa die Tarifverträge zur Übergangsversorgung zum Jahresende 2013.

Was kostet die Frühverrentung?

Die Lufthansa beziffert die Versorgungsverpflichtung für die Piloten zum Stichtag 31. Dezember 2013 auf rund 1,1 Milliarden Euro. Die Piloten argumentieren dagegen, die Frühverrentung sei für das Unternehmen fast kostenneutral. Schließlich bekämen die älteren Kollegen ein höheres Gehalt als die jüngeren. Wenn die älteren in die Frührente gingen, würden dafür junge Piloten eingestellt. Dies senke die Kosten pro Durchschnittspilot.

Gibt es noch weitere Baustellen?

Weitere Baustellen sind die Verhandlungen um höhere Gehälter für Piloten. VC verlangt Verdienststeigerungen um zehn Prozent. Lufthansa hat verschiedene Modelle von mehr als fünf Prozent mit unterschiedlichen Laufzeiten vorgelegt. Das würde im Schnitt für einen Piloten ein Plus von 750 Euro im Monat bringen, rechnet Personalvorstand Volkens vor.

Warum dreht Lufthansa an der Kostenschraube?

Neben den aggressiven Billigfliegern dringen die schnell wachsenden Airlines vom Arabischen Golf auf weitere Landerechte an europäischen Flughäfen oder sie gehen wie Etihad auf Einkaufstour bei europäischen Gesellschaften. Die Lufthansa sorgt sich um wachsende Konkurrenz durch Billigflieger – dieses Mal auf den lukrativen Langstrecken. „Wir sehen extremen Wettbewerbsdruck“, sagt Volkens. Gemeinsam mit Cockpit wolle man Konzepte entwickeln, diesem zu begegnen.