Innovation

Woran die fünf Start-ups im Bayer-Accelerator arbeiten

EKG-Sensor fürs iPad, Puste-App zum Kalorientest und eine interaktive Pillendose

Mit fünf Start-ups hat der Accelerator Grants4Apps der Bayer AG am Montag seine Arbeit aufgenommen. Die Unternehmen entwickeln auf dem Firmengelände von Bayer HealthCare an der Müllerstraße in Wedding digitale Gesundheitsprogramme. „Die Industrie der Lebenswissenschaften wartet auf Lösungen“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) bei der Eröffnung.

Pharmassistant hat die vernetzte Pillendose erfunden. Sie schlägt optisch und akustisch Alarm, um vergessliche oder ältere Menschen an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern. Eingestellt wird die Dose per Smartphone-App, wo sich auch eine Monitorfunktion für betreuende Menschen und Ärzte einrichten lässt. Bei einem Alarm macht sich die Pillendose bemerkbar, die App zeigt an, welche Medikamente wie eingenommen werden sollen. Allein in den USA gebe es jährlich 7000 Todesfälle durch Falschmedikation, wirbt das Start-up für seine App.

Cortrium, ein Start-up aus Berlin und Kopenhagen, verknüpft die Bereiche „Wearable Tech“ (am Körper tragbare Technologien) und Digital Health (digitale Gesundheitsprogramme). Die Gründer haben einen Sensor entwickelt, der mit Saugnäpfen auf der Brust befestigt wird und dann biometrische Daten wie Herzschlag und Atemfrequenz überträgt. Das Gerät eignet sich als mobiles EKG, zur Schlafbeobachtung, zum Messen von Bewegung beim Sport und zur Übermittlung der Körperposition. Die Daten werden auf einer SD-Karte gespeichert und per Bluetooth an ein iPad übertragen. So können Körperfunktionen beobachtet werden – innerhalb und außerhalb eines Krankenhauses. Es ist auch möglich, ganze Gruppen zu überwachen – beispielsweise beim sportlichen Training. Weitere Sensoren sind in Planung.

Die App Fabulyzer bereitet ebenfalls Aktivitätsdaten auf. Die Quelle sind hier Biomarker, die in der Atemluft enthalten sind. Der Nutzer bläst wie bei einem Alkoholtest oder einer Lungenfunktionsprüfung in ein Gerät. Nanosensoren erheben dabei Messwerte, aus denen sich der Kalorienverbrauch ableiten und ein sogenannter Fab-Score ermitteln lässt. Die Messwerte werden auf einer Smartwatch angezeigt oder in der Internetcloud gespeichert und können später ausgewertet werden. Ein Parameter bei der Messung ist der Acetongehalt der Atemluft, der Hinweise auf den Abbau von Fettsäuren gibt.

Qompium versteht sich laut Webseite selbst als „Arzt in der Hosentasche“ und entwickelt Gesundheits-Apps für Smartphones. Ziel des aus Belgien stammenden Start-ups ist dabei ein besseres Gesundheitsmanagement. Die erste entwickelte App ist Cardimoni. Sie untersucht die Herzfrequenz und diagnostiziert Herzrhythmusstörungen. Diese können die Leistung des Herzens einschränken.

Parica will eine Assistenzhardware entwickeln, die Apotheker mit Patienteninformationen unterstützt. Das Gerät soll medizinische Daten von Apothekenkunden berührungslos aufnehmen und dadurch den Apotheker bei der Beratung unterstützen. Das Start-up ist noch in einer sehr frühen Phase seiner Entwicklung.

Erst im Mai 2014 hatte der Konzern seinen Forschungsinkubator „CoLaborator“ für junge Unternehmen im Bereich der Lebenswissenschaften eröffnet. Biotech-Start-ups erhalten am Unternehmensstandort an der Weddinger Müllerstraße 178 Labor- und Büroräume. Ziel des Konzeptes ist es, jungen Firmen aus den Chemie- und Biowissenschaften Arbeitsplätze anzubieten.