Tarifkonflikte

Piloten lassen die Passagiere über Streiks im Unklaren

Auch im Bahn-Tarifkonflikt zeichnet sich keine Lösung ab

Die Lufthansa will die angekündigten Arbeitsniederlegungen der Piloten in letzter Minute abwenden. Wann und wie lange die Flugkapitäne streiken werden, war am Montag aber weiter unklar. Auch im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist bislang keine Lösung in Sicht. Anders als bei der Lufthansa gibt es von Gewerkschaftsseite noch keine konkrete Streikdrohung.

In der Auseinandersetzung mit den Piloten forderte die Lufthansa eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Wir sind konsensbereit und suchen einen Kompromiss“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Sie forderte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf, eine gemeinsame Lösung zu finden. Zugleich betonte die Lufthansa aber, der Konzern sehe sich für mögliche Streiks gerüstet. Die Airline werde einen Sonderflugplan entwickeln, um wesentliche Strecken aufrechtzuerhalten. Hintergrund der Streiks ist ein Streit über die Übergangsrente für die Piloten. Die Lufthansa rechnet nach eigenen Angaben damit, dass Cockpit einen Ausstand 24 Stunden vorher ankündigen werde. Mehrtägige Streiks erwartet die Airline nicht.

Cockpit hatte zuvor die Streikbereitschaft bekräftigt: „Es geht um die Abwägung von Passagierinteressen und der Effizienz eines Streiks“, sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft auf Anfrage. Man wolle es Lufthansa nicht zu leicht machen, Ausfälle zu ersetzen.

Auch bei der Deutschen Bahn brodelt es weiter: In dem festgefahrenen Konflikt geht es zum einen um Entgeltsteigerungen für Bahn-Beschäftigte, zum anderen um die künftige Form der Zusammenarbeit der beiden Gewerkschaften GDL und EVG. Zunächst rief die GDL ihre Mitglieder für Mittwoch zu einer Protestversammlung in Fulda auf.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) forderte am Montag unterdessen sechs Prozent mehr Lohn. Für die rund 100.000 Mitglieder, die bei der DB AG beschäftigt sind, sollten es aber zugleich auch mindestens 150 Euro mehr pro Monat sein. Zugleich will die EVG, dass die etwa 5000 bei ihr organisierten Lokführer wieder unter die Tarifregelungen der EVG fallen. Die Lokführergewerkschaft GDL will auch für andere Bahn-Beschäftigte verhandeln und damit in die Domäne der EVG vordringen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte am Wochenende einen neuen Vorschlag der Bahn zu einem Kooperationsabkommen mit GDL sowie EVG abgelehnt und von einer „Provokation“ gesprochen.