Elektroindustrie

Frauen sollen es richten

Elektroindustrie der Region will verstärkt um weiblichen Nachwuchs werben

Jahrelang haben Schulabgänger es schwer gehabt, eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Das hat sich inzwischen dramatisch zugunsten der Bewerber verändert, wie Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg sagte. In Brandenburg kommt inzwischen rechnerisch annähernd ein Bewerber auf eine Stelle, in Berlin sind es 1,3. Ob dann tatsächlich jeder Bewerber eine Stelle bekomme, sei nicht ausgemacht. „Das muss ja auch in der Sache funktionieren.“

Insgesamt gibt es zum Beginn des Lehrjahres Anfang September nach Zahlen des Verbands 23.040 betriebliche Ausbildungsplätze in der Region, 1,5 Prozent mehr als 2013. In Berlin waren es 11.889 (0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor), in Brandenburg 11.151 (3,5 Prozent mehr). Vor allem Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie suchen demnach Nachwuchs: Insgesamt gab es ein Plus von 11,1 Prozent auf 6636 Stellen in der Region, in Berlin waren es mit 2869 Stellen sogar 17,1 Prozent mehr.

Viele Unternehmen bilden mehr aus, weil zahlreiche Facharbeiter bald in Ruhestand gehen, wie Amsinck sagte. Die Branche ist sehr exportorientiert – und steht damit im internationalen Wettbewerb. Da ist gut qualifiziertes Personal gefragt. Gleichzeitig sinkt allerdings die Zahl der Bewerber, sowohl insgesamt (minus 6,8 Prozent auf 30.076) als auch in der Branche (minus 5,0 Prozent auf 7180). Amsinck zufolge hat das zum einen mit der Demografie zu tun: Die Zahl der Schulabgänger sinkt absehbar. Zudem konkurrieren die Betriebe mit einer universitären Ausbildung. „Fast 50 Prozent der Abiturienten entscheiden sich für ein Studium“, sagt Amsinck. Für die Unternehmer ein zu hoher Wert.

„Wir haben es in der Vergangenheit versäumt, Werbung für die duale Ausbildung zu machen“, sagt Bernhard Antmann, Leiter des ABB Training Centers. Das soll sich ändern. „Da sind wir selbst gefordert“, sagt er. Der VME will in Berlin und Brandenburg verstärkt an Gymnasien darauf aufmerksam machen, wie attraktiv eine Ausbildung in einem Betrieb der Metall- und Elektrobranche ist und auch, welche Chancen er bietet.

Außerdem sollen junge Frauen angesprochen werden. „Die Reserviertheit gegen technische Berufe ist da noch etwas ausgeprägter“, formuliert es Amsinck. Die Berufe hätten sich ohnehin stark gewandelt, sagt Antmann. Statt schwerer körperlicher Arbeit geht es jetzt zum Beispiel um Programmieren und Robotik. Großes Potenzial sehen die beiden auch bei Schülern mit Migrationshintergrund. Und bei Studienabbrechern. Dort sei ein Interesse für Technik vorhanden, sagt VME-Chef Amsinck. Und wer mit dem Studium Schwierigkeiten gehabt habe, finde sich in der Ausbildung vielleicht besser zurecht.

Antmann hat festgestellt, dass viele Jugendliche sich zwar für eine Lehrstelle in einem bestimmten Beruf bewerben, sich die Vorstellung des Berufsbildes aber nicht mit der Realität deckt. Sein Unternehmen bietet Firmen, die ausbilden wollen, jene Teile der Ausbildung an, die die Firmen nicht selbst leisten können, etwa weil sie zu klein sind. 140 Partnerunternehmen hat das ABB Training Center, 700 Jugendliche werden im Verbund ausgebildet, zehn Prozent davon für den Industriekonzern ABB.

Mehr Information soll es vor allem in der Schule geben. VME und die Senatsschulverwaltung arbeiten an einem Konzept, das Berufsorientierung verpflichtend machen soll. Es käme vielen zugute, wenn die Schüler vor dem Abschluss genauer wissen, was sie machen wollen.