Start-Up

Saubere Sache

Zahlreiche Dienste bieten im Internet Reinigungskräfte an. Vor allem Berliner Unternehmen mischen kräftig im lukrativen Markt mit

Der Abreißzettel an dem Laternenmast verspricht Putzkräften einen Stundenlohn von zwölf Euro. Das Berliner Start-up „Book a Tiger“ hat die Zettel vielerorts in Berlin plakatiert und wirbt in der Offlinewelt für den Onlinedienst. Qualifiziertes Reinigungspersonal zu finden, ist ein mühsames Geschäft. Putzkräfte zu vermitteln, scheint hingegen lukrativ: Mehrere Online-Putzdienste überschwemmen derzeit die sozialen Netzwerke mit Werbeanzeigen.

Zahlreiche Start-ups tummeln sich auf dem Markt für Reinigungskräfte. Homejoy aus den USA war das Vorbild und hat das Geschäftsmodell seit 2012 erprobt. Zwei Jahre später wurde es von Helpling aus dem Hause Rocket Internet und Book a Tiger kopiert, die fast gleichzeitig im April an den Start gingen. Gebucht wird auf der Webseite oder in der iPhone-App – mindestens zwei Tage im Voraus. Die Buchung ist mit wenigen Angaben erledigt. Bezahlt wird bargeldlos per PayPal.

Schwarzarbeit ohne Versicherungsschutz ist seit jeher ein Problem bei der Beschäftigung von Putzkräften. Anbieter wie Helpling und Tiger vermitteln deshalb ausschließlich getestete Kräfte mit Gewerbeschein und Führungszeugnis. In der Regel sind es Kleinunternehmer. Das sind Selbstständige, die wegen Jahreseinnahmen unter 17.500 Euro von der Umsatzsteuerpflicht ausgenommen sind. Sie müssen sich selbst um ihre Unfall-, Kranken- und Sozialversicherung kümmern.

Eine Haftpflichtversicherung deckt bei Book a Tiger und Helpling Sachschäden in der Wohnung des Auftraggebers ab. Auf den Webseiten der anderen Anbieter lässt sich die Versicherungsfrage nicht zweifelsfrei klären. Bei Cleanagents heißt es dazu sogar: „Ihre Reinigungskraft übernimmt die volle Verantwortung für eventuelle Schäden.“ Ziel der Gründer von Book a Tiger ist ein Komplettpaket, das alle vertraglichen Eventualitäten abdeckt und mit einem Klick gebucht werden kann. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Book a Tiger hat den Anspruch, faire Gehälter zu zahlen, wie Mitgründer Claude Ritter sagt. Zwölf Euro, also 80 Prozent des Stundenpreises von 15 Euro, erhält die Putzkraft. „Wir versuchen, unsere Kräfte so zu bezahlen, dass genug für sie übrig bleibt“, sagt Ritter. Bei guter Bezahlung sei die Leistung der vermittelten Kräfte besser, sagt er. Auch bei Helpling gilt die Aufteilung 80/20 bei ähnlichen Beträgen.

Bei anderen Diensten liegt der Stundenlohn der Arbeitskräfte zwischen 8,50 und 12,50 Euro. Gelegentlich wird darauf verwiesen, dass Kunden 20 Prozent des Rechnungsbetrags für haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen können, was der Transparenz der Preisangaben schadet. Unterdessen drängt das Berliner Start-up Cleanagents mit Kampfpreisen (zwölf Euro) auf den Markt, und Homejoy ließ kürzlich bei einem Angebot gar zweieinhalb Stunden für 20 Euro putzen.

Der Standardauftrag für Tiger umfasst das Aufräumen der Wohnung, die Bodenreinigung mit dem Staubsauer, feuchtes Wischen der Böden und das Staubwischen von allen Oberflächen und Spiegeln. Fenster erfordern einen Extraauftrag. Eine ausführliche Checkliste informiert über die Einzelheiten und dient dazu, Missverständnisse auszuschließen.

Auffällig hoher Frauenanteil

Zu den Kunden zählen überwiegend Privathaushalte, Singles und Paare gleichermaßen, häufig Menschen, die mehr als acht Stunden arbeiten. Auffällig sei der hohe Frauenanteil, sagt Claude Ritter. Ein künftiger Markt seien kleine Firmen. Das Marktvolumen insgesamt ist schwer zu schätzen. Bei Helpling ist von einem Jahresumsatz der Reinigungsbranche in Deutschland von 13 Milliarden Euro die Rede. Und der Geschäftsbericht vom Berliner Branchenprimus Gegenbauer weist einen Umsatz von mehr als 440 Millionen Euro mit steigender Tendenz aus.

Ritter ist Serienerfinder: Gemeinsam mit Nikita Fahrenholz hat er nicht nur Book a Tiger im April 2014 gegründet, sondern 2011 auch den Essenslieferdienst Lieferheld, den ein Jahr später der internationale Lieferdienst Delivery Hero übernahm. Das Unternehmen ist einer der erfolgreichsten Online-Lieferdienstanbieter, hat kürzlich den deutschen Marktführer Pizza.de geschluckt und gilt als Kandidat für einen der ersten Börsengänge eines Berliner Start-ups. Davor war Ritter Geschäftsführer des Software-Unternehmens The Net Circle in China, hat den Mikrobloggingdienst Duqi gegründet und den Konkurrenzmonitor Rivalfox.

„Wir sind Gründer, die in kleineren Settings erfolgreicher sind“, sagt Ritter. Eine Abteilung mit 250 Leuten zu führen, sei seine Sache nicht gewesen. Deshalb habe er gemeinsam mit Fahrenholz etwas anderes machen wollen. Dass das ausgerechnet ein Marktplatz für Putzkräfte geworden sei, liegt an Ritters Lifestyle. „Ich lebe im Internet“, sagt er. Er besitze keinen Fernseher, sei ein Intensivnutzer von Taxi-Apps, bestelle online Essen. „Eine saubere Wohnung war immer ein Problem“, sagt er. „Ich mag Geschäfte, bei denen ich selbst ein Use Case bin.“

Book a Tiger hat gerade eine Finanzierungsrunde in Millionenhöhe mit DN Capital als Leadinvestor abgeschlossen und seinen Dienst in Deutschland und Österreich ausgeweitet. Er ist außer Berlin in Hamburg, München, Frankfurt, Dortmund, Essen und Wien verfügbar. Mitbewerber Helpling expandierte vor wenigen Wochen von Deutschland nach Frankreich, Schweden, Italien, Holland und Österreich.

Bei Informationen über die Zahl ihrer Putzkräfte sind die Anbieter zurückhaltend: Tiger spricht von einer dreistelligen, Helpling von einer vierstelligen Zahl.