Tarifkonflikt

Gewerkschaften bei der Bahn liegen im Streit

Der Deutschen Bahn stehen Tarifverhandlungen ins Haus. Doch im Vorfeld ist ein Konkurrenzkampf zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) entbrannt.

Die GDL will künftig nicht mehr nur für Lokführer verhandeln, sondern für das gesamte Zugpersonal. Umgekehrt möchte die EVG neben den Zugbegleitern fortan auch Lokführer vertreten. An diesem Montag sprechen alle drei Seiten in Frankfurt am Main darüber, wie die Spielregeln in den Tarifgesprächen aussehen sollen. Die anstehenden Tarifverhandlungen betreffen 160.000 Mitarbeiter bei der Deutschen Bahn. Bisher verhandelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die GDL verhandelte für die rund 20.000 Lokomotivführer. Welche Gewerkschaft für welche Mitarbeitergruppe zuständig ist, regelte ein Grundlagentarifvertrag. Dieser lief aber zum 30. Juni aus.

Schon Mitte Juni steckte die GDL ihr neues Revier ab. Sie will künftig die Tarifverhandlungen für das gesamte Zugpersonal führen, also neben Lokführern auch für Zugbegleiter, Lokrangierführer, Bordgastronomen und Disponenten. Das Zugpersonal gehöre „untrennbar zusammen“, es habe dieselben „Sorgen und Nöte“, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky und stellte bereits einen ganzen Forderungskatalog vor: Fünf Prozent mehr Lohn, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei auf 37 Stunden, eine Mitarbeiterbeteiligung und eine familienfreundlichere Schichtplanung. Die Deutsche Bahn bezeichnete die Forderungen als „maßlos und fern jeder Realität“.

Keine Sonderbehandlung

Auch die EVG will an der bisherigen Aufteilung der Zuständigkeiten bei den Tarifverhandlungen nicht festhalten. Diese habe sich „nicht bewährt“, teilte EVG-Chef Alexander Kirchner Ende Juni mit. Dennoch sei die EVG auch künftig zu „fairen Kooperationen“ mit anderen Gewerkschaften bereit. Es müsse aber sichergestellt sein, dass nicht einzelne Berufsgruppen zulasten anderer eine „Sonderbehandlung“ bekämen. Eine derartige Kritik zielte in der Vergangenheit auf die GDL, die mit Lokführerstreiks den Bahnverkehr massiv behindern konnte und bei Tarifverhandlungen gute Konditionen für die Zugführer ausgehandelt hatte.

Die Deutsche Bahn steht vor einem Problem. Vertreten zwei Gewerkschaften dieselbe Mitarbeitergruppe, sind verschiedene Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten denkbar. Wenn für eine Berufsgruppe wie die Lokführer verschiedene Arbeitszeitregelungen ausgehandelt werden, wird allein die Schichtplanung komplizierter. Von sich überschneidenden Forderungen der Gewerkschaften könnten bei der Deutschen Bahn rund 37.000 Mitarbeiter betroffen sein.

Die Deutsche Bahn will eine Tarifkonkurrenz unbedingt vermeiden und setzt auf klare Absprachen zwischen EVG und GDL. Sie als Arbeitgeber hat den Gewerkschaften ein Kooperationsabkommen vorgeschlagen, das die Zuständigkeiten der Gewerkschaften und das Verfahren bei Tarifverhandlungen regelt.