Gründerzeit

Kreditmarktplatz für virtuelles Geld

Jürgen Stüber über Bitbond und den Plan, Bitcoin-Darlehen zu vermitteln. Die künstliche Währung ist umstritten. Verbraucherschützer sehen große Risiken durch starke Kursschwankungen, Hackerangriffe und Betrügereien. Dennoch wird dieses Zahlungsmittel immer beliebter. Auch in Berlin gibt es eine schnell wachsende Community

Das Berliner Unternehmen Bitbond will einen Onlinemarktplatz für Darlehen in der Internet-Währung Bitcoin aufbauen. Gründer Radoslav Albrecht gab jetzt den erfolgreichen Abschluss einer ersten Finanzierungsrunde über 200.000 Euro bekannt. Bitbond hat seit der Gründung vor einem Jahr 190 Bitcoin-Darlehen im Gegenwert von 30.000 Euro vermittelt. Hauptinvestor des Start-ups ist das Wagniskapitalunternehmen Point Nine Capital. Bitcoins sind eine internationale virtuelle Währung, die nicht von einer Zentralbank herausgegeben wird, sondern von einem Netzwerk aus Internetnutzern. Die Währung gibt es seit 2009. Sie wird nicht zwischen Banken überwiesen, sondern direkt zwischen Personen, die sich im Netz miteinander verbunden haben.

Bitbond richtet sich zum einen an Bitcoin-Nutzer, die Darlehen für den Kauf von Bitcoin-Mining-Hardware benötigen. Das ist Hardware, die speziell für den Zweck des Mining hergestellt und optimiert wurde. Diese Hardware führt rechenintensive Aufgaben durch. Das hat zum einen den Zweck, neue Bitcoins fälschungssicher zu generieren. Die Betreiber dieser Hardware werden mit den neu geschaffenen Bitcoins für ihre Rechenleistung entlohnt. Zum anderen werden durch die Rechenprozesse der Mining-Computer Bitcoin-Überweisungen weitergeleitet. Das hält die dezentrale Struktur aufrecht, die die virtuelle Währung Bitcoin ausmacht.

Dieses virtuelle Kapital, das Bitcoin-Nutzer in digitalen Geldbörsen aufbewahren, können sie als Zahlungsmittel verwenden, verleihen oder gegen reale Währungen eintauschen. Bei diesem Wallet handelt es sich um eine Smartphone-App oder ein Programm auf einem stationären Computer. Die zweite Nutzergruppe sind normale Darlehensnehmer, die einen Bitcoin-Betrag für andere Investitionen in der realen Welt benötigen und diese Darlehen in eine reale Währung tauschen wollen.

Mittlerweile gibt es weltweit über 150.000 Geschäfte und Onlineshops, bei denen man mit Bitcoins bezahlen kann. Am Dienstag kündigte die Regierung von Ecuador an, Bitcoins als offizielles Zahlungsmittel einzuführen.

Bitcoins werden von Verbraucherschützern kritisiert, weil sie starken Kursschwankungen unterliegen, weil die Einlagen nicht gesichert sind, wegen der Gefahr von Hackerangriffen und Betrugs. Albrecht hält dem entgegen, dass die Nutzer von Bitcoins und Bitbond kein Bankkonto brauchen , da man Bitcoins auf einer App speichern kann. „Das ist vor allem in Schwellenländern wie zum Beispiel in Lateinamerika von Vorteil. Denn dort verfügt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung über ein Bankkonto“, sagt er.

In Berlin gibt es seit Jahren eine wachsende Bitcoin-Community. In mehreren Geschäften in Kreuzberg kann mit der Währung bezahlt werden. Vorreiter ist hier die Burger-Bar Room 77 (Graefestraße 77) und ihr Besitzer Jörg Platzer. Hier werden Bitcoins seit 2011 als Zahlungsmittel akzeptiert.