Computerspiele

Deutschlands Spiele-Industrie droht der Absturz

Branche klagt über fehlende Fachkräfte und langsames Netz

Deutschland droht in der internationalen Games-Industrie den Anschluss zu verlieren. Zwar ist die Bundesrepublik einer der größten Absatzmärkte für Computerspiele in Europa. Entwickelt wird die beliebte Daddel-Software aber meist im Ausland. „Wir haben vielleicht 30 international wettbewerbsfähige Entwicklerstudios“, sagt Maximilian Schenk der Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). „Ich würde mir aber wünschen, dass es mindestens 100 sind. Denn ein starker Absatzmarkt sollte auch ein starker Produktionsstandort sein.“

Gute Ansätze sind dabei durchaus vorhanden. „Die Zahl der Entwickler steigt“, berichtet Schenk. Vor allem im Großraum Berlin entstehe mittlerweile eine Vielzahl kleiner Start-ups mit oftmals weniger als zehn Mitarbeitern. Nach ersten Anfangserfolgen allerdings stehen die Firmen vor großen Herausforderungen, die auch etablierten deutschen Anbietern zu schaffen machen. So klagt die Branche über eine verfehlte Medienwirtschaftspolitik in Deutschland. „Filme werden gefördert und öffentlich gepriesen – Computerspiele nicht“, beschreibt Carsten van Husen, der Vorstandsvorsitzende des Karlsruher Entwicklers Gameforge. Dabei sei die Branche, die allein im ersten Halbjahr fast 800 Millionen Euro umgesetzt hat, mittlerweile um ein Vielfaches größer als die Filmindustrie. Noch dazu seien auch Computerspiele ein Kulturgut.

Van Husen wünscht sich daher mehr Unterstützung seitens der Politik. Etwa in Form von Anerkennung. „Es reicht schon, mit der Branche und über die Branche zu reden. Das würde die gesellschaftliche Akzeptanz deutlich steigern.“ BIU-Chef Schenk fordert darüber hinaus den Aufbau von Netzwerken und Plattformen, die Aufnahme der Branche ins Standortmarketing von Organisationen wie „Invest in Germany“ oder schlichtweg den Auftritt auf Messen.

Anbieter büßen Vorsprung ein

Tatsächlich ist die Politik vergleichsweise zurückhaltend bei den jährlichen Branchenevents. Bei der Gamescom in Köln zum Beispiel, der mittlerweile größten Computerspielemesse der Welt, sucht man hochrangige Bundespolitiker weitgehend vergebens. In sechs Jahren Gamescom hat nur ein Mal der Bundeswirtschaftsminister die Messe eröffnet.

Vielleicht auch, weil die Staatsvertreter nichts zu verteilen haben. „Andere Länder unterstützen ihre Games-Industrie ganz massiv“, berichtet BIU-Vertreter Schenk. In den USA und Kanada oder auch in Großbritannien und Skandinavien fließen dem Verband zufolge teils dreistellige Millionenbeträge in die Zukunftsbranche. In Deutschland dagegen belaufe sich die Unterstützung bundesweit auf einen einstelligen Millionenbetrag. „Damit kann keine prosperierende Gamesindustrie entstehen“, sagt Schenk. Oder erhalten werden. Denn in den letzten Jahren haben die deutschen Anbieter ihren Vorsprung im Bereich Free-to-play zunehmend eingebüßt, also bei Spielen, die kostenlos sind, für die Spielefans aber auch Geld bezahlen können, wenn sie zum Beispiel Zusatzinhalte haben wollen.