Handelskonzern

Strauss Innovation bekommt neuen Eigentümer

Der finanziell angeschlagene Lifestyle-Anbieter ist vorläufig gerettet

Die insolvente Handelskette Strauss Innovation geht an eine Unternehmerfamilie aus Baden-Württemberg, die bisher hauptsächlich Spielhallen und Fitness-Studios betreibt. Der Gläubigerausschuss segnete am Freitag den Verkauf der Geschäftsanteile des Lifestyle-Unternehmens an den Unternehmer Michael Mühleck ab. Mühleck steige als „langfristig orientierter strategischer Investor ein“, heißt es in einer Mitteilung. Der Käufer werde aus eigenen Mitteln Investitionen und Finanzmittel für den Geschäftsbetrieb bereitstellen.

Für die verbliebenen rund 1200 Mitarbeiter zeichnet sich damit Hoffnung auf ein Überleben der Kette ab, die seit einem halben Jahr unter dem Regime einer Insolvenz geführt wird. Rund 160 Jobs wurden gestrichen, von 96 Filialen überlebten 79. „Wir haben in der Eigenverwaltung das Geschäft stabilisiert“, sagte Sachwalter Andreas Ringstmeier der Morgenpost. „Die Gläubiger werden im Insolvenzplanverfahren auf beträchtliche Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen, erhalten aber immer noch mehr als bei einer Zerschlagung.“ Außerdem sei die Erhaltung der meisten der Arbeitsplätze gelungen.

Eine Zersplitterung des Sortiments hatte nach dem Urteil von Handelsexperten maßgeblich zu den Schwierigkeiten des Unternehmens mit Sitz im rheinischen Langenfeld beigetragen. Es litt am Ende am „Praktiker-Syndrom“: Sinkende Umsätze führten dazu, dass der Bedarf an flüssigen Finanzmitteln nur durch immer mehr Discountaktionen befriedigt werden konnte. Diesen Kreislauf habe man unterbrochen, sagte Chefsanierer Hans Peter Döhmen.

Strauss Innovation hatte im vergangenen Geschäftsjahr nach seinen Angaben 160 Millionen Euro Umsatz erzielt. Dieser werde wegen der Schließung von 17 zunächst sinken, ohne dass allerdings die Ertragskraft eingeschränkt werde. „Wir schreiben operativ schwarze Zahlen“, versicherte Döhmen. Das Unternehmen werde sich im höherwertigen Bereich bewegen. „Wir dürfen nicht als billiger Jakob daherkommen.“ Das Insolvenzverfahren endet laut Ringstmeier im vierten Quartal. Unter anderem müssen die Gläubiger noch in einer Versammlung zustimmen.

Der Einzelhandel ist für Käufer Mühleck eine neue Sparte. Bisher betreiben sie Spielhallen („Magic Casino“) und Fitness-Studios („Body Fit“). Die Spielsparte – der größte Bereich – erzielte 2013 mit rund 100 Filialen einen Umsatz von etwa 120 Millionen Euro.

Strauss ist ein traditionsreiches Unternehmen: Vor 112 Jahren wurde die Firma in Düsseldorf gegründet. Heinrich und Maria Strauss verkauften in „Kurz-, Weiß- und Wollwaren“ – alles für die Reparatur von Strümpfen, Pullovern und Hosen. Strauss eröffnete diverse neue Filialen im Rheinland. Bis 1989 blieb das Unternehmen im Besitz der Familie, die sich zum Verkauf entschloss. Geschäftsführer und Teilhaber wurde Peter Ludwig Geringhoff, der zuvor Angestellter bei Strauss war.

Es folgten mehrere Wechsel der Geschäftsführer, Besitzer und Strategien. Die Kosten explodierten, das Sortiment wurde stetig neu ausgerichtet. Viele Kunden wandten sich enttäuscht ab. Ende März musste das Insolvenzverfahren eröffnet werden.