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Mit der Übernahme kann Poker um Kaufhof beginnen

Die Karten im Einzelhandel werden mit der Übernahme des Warenhausriesen Karstadt durch den Österreicher René Benko neu gemischt.

Benko kontrolliert nun den Essener Traditionskonzern mit seinen Luxus-, Sport- und Warenhäusern komplett – und gebietet auch über eine Reihe der Warenhausimmobilien, die er mit seiner Signa-Gruppe bereits geschluckt hatte. Über die Motive des Immobilieninvestors wird gerätselt. In der Branche wird vermutet, Benko könnte in Zukunft einen neuen Anlauf unternehmen, eine „Warenhaus AG“ aus Karstadt und dem Konkurrenten Kaufhof zu bilden. Arbeitnehmer warnen bereits vor solchen Plänen.

Die Idee einer Warenhausallianz ist nicht neu, schon in der Vergangenheit hatten Benko und Nicolas Berggruen versucht, Zugriff auf Kaufhof zu bekommen. Gespräche mit dessen Mutterkonzern Metro führten nicht zum Erfolg: Metro-Chef Olaf Koch hatte den Verkaufsprozess für Kaufhof nach seinem Amtsantritt 2012 abgebrochen. Auf Dauer, daran hat er allerdings keinen Zweifel gelassen, sei kein Platz für die Warenhäuser unter dem Metro-Dach.

Metro wollte Spekulationen um Kaufhof und Karstadt am Freitag nicht kommentieren, Signa war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. In der Branche hieß es aber, derzeit gebe es keinen Kontakt zwischen Benko und dem Düsseldorfer Handelsriesen. Vielleicht geht dieser aber auch einen Umweg über den Metro-Großaktionär Haniel. Es habe lose Kontakte Benkos zu Haniel gegeben, hieß es. Haniel wollte sich nicht äußern.

Arbeitsplätze auf der Kippe

Auch Planspiele für die Umsetzung einer Warenhausfusion gibt es bereits: Kaufhof könnte Karstadt schlucken oder umgekehrt – oder ein dritter Investor könnte auf den Plan treten und beide Warenhausriesen übernehmen und zusammenführen. Nach einem Umbau könnte die „Warenhaus AG“ dann an die Börse gebracht werden.

Eines haben alle Szenarien gemein: Überflüssige Standorte würden geschlossen, Tausende von Beschäftigten müssten um ihre Arbeit bangen. „Der Markt ist groß genug für zwei Warenhauskonzerne“, sagte Arno Peukes, Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat von Karstadt. Er hoffe, dass dies auch Benkos Sicht sei – dieser müsse bald seine Pläne vorlegen. Die Karstadt Warenhaus GmbH verzeichnete nach im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen im Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) einen Fehlbetrag von 158 Millionen Euro – nach einem Minus von 20,8 Millionen Euro im Vorjahr. 2012/13 fiel im traditionellen Warenhausgeschäft ein operatives Minus von 124 Millionen Euro an.

Kaufhof schreibt Gewinn: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2013/14 (30. September) legte der Umsatz um 0,3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu, der operative Gewinn lag bei 179 Millionen Euro. „Metro kann in Ruhe abwarten, was bei Karstadt passiert“, sagte ein Handelsexperte.