Unternehmen

Karstadt wechselt den Besitzer

Nicolas Berggruen soll in Kürze Anteile an den Kaufhäusern abgeben

Die Karstadt Warenhaus GmbH mit ihren 83 innerstädtischen Filialen geht spätestens bis Ende August an den österreichischen Immobilienunternehmer René Benko. Benkos Investmentfirma Signa Holding werde die Anteile vollständig übernehmen. Die Verhandlungen dazu sind nach Informationen der Berliner Morgenpost erfolgreich abgeschlossen. In einem zweiten Schritt will der bisherige Eigentümer, der US-Investor Nicolas Berggruen, auch die Markenrechte auf den Namen Karstadt an Signa abgeben. Über Signas Übernahmeplan hatte zuerst das österreichische Wirtschaftsmagazin „Format“ berichtet.

Damit steigt der Investor vollständig aus seinem misslungenen deutschen Warenhaus-Abenteuer aus. Lediglich die Markenrechte, für deren Nutzung Karstadt jedes Jahr Millionen überweisen musste, waren ein gutes Geschäft für Berggruen. Der Rest war Frust. Zunächst als Retter gefeiert, geriet Berggruens Engagement zunehmend in die Kritik. Eine grundlegende Sanierung blieb aus, Karstadt kommt nach wie vor nicht aus den roten Zahlen, Tausende Arbeitsplätze wurden gestrichen. „Angesichts der bisher erfolglosen Sanierung muss für Karstadt ein neuer Anfang her“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Benko hatte sich vor knapp zwei Jahren im Gegenzug zu Zusagen von Finanzhilfen eine Option einräumen lassen, eine Mehrheit des Warenhaus-Konzerns von 70 Prozent für einen Euro zu erwerben. Nun soll es aber zu einer vollständigen Übernahme kommen. Die Option, die Ende August ausläuft, habe Signa formal noch nicht wahrgenommen, doch bestünden keine Zweifel daran, dass dies in den nächsten Tagen erfolgen werde, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Benko und seine Signa-Gruppe sind bei Karstadt bereits bekannt. 2012 hatte die Finanzgruppe das Berliner KaDeWe und 16 weitere Karstadt-Immobilien für mehr als 1,1 Milliarden Euro gekauft. Karstadt blieb zunächst Mieter. Ein dreiviertel Jahr später gingen auch 75,1 Prozent der Anteile an der 28 Läden umfassenden Kette Karstadt Sport und an der Karstadt-Premium-Gruppe – zu ihr gehören das KaDeWe, der Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg – an Benko. Der Österreicher zahlte dafür 300 Millionen Euro.

Auch bei den 83 Warenhäusern des Karstadt-Konzerns ist der österreichische Immobilienmagnat bereits finanziell engagiert. Signa hatte dem kränkelnden Unternehmen Zahlungen von 150 Millionen Euro zugesagt. Interimschef Miguel Müllenbach bestätigte kürzlich in einer internen Veröffentlichung, dass eine erste Rate überwiesen worden sei. Die zweite wird in diesem Herbst erwartet. Nach den Ankündigungen von Signa sollte das Geldin die dringend notwendige Modernisierung fließen. Offenbar dient es aber auch zur Stabilisierung der Karstadt-Finanzen.