Handel

Niedergang einer Trendmarke: American Apparel im Chaos

Millionenverluste und Stress mit dem Ex: American Apparel ist schon längst nicht mehr das, was es mal war – ein Trendlabel.

Der Bekleidungsfirma steht das Wasser inzwischen bis zum Hals. Am Dienstag teilte das neue Management der US-Börsenaufsicht mit, dass der Finanzbericht für das zweite Quartal wegen des Machtkampfs um den ehemaligen CEO Dov Charney nicht pünktlich vorgelegt werden könne.

Ein paar vorläufige Zahlen wurden dann doch veröffentlicht. Die wichtigste davon rot – Nettoverlust von April bis Juni: 15 Millionen Dollar (rund elf Millionen Euro). „Es dürfte einige Zeit dauern, dieses Schlamassel aufzuräumen“, lautete der erste Kommentar im Analysten-Forum „Seeking Alpha“. Die Aktie verlor nachbörslich fünf Prozent, auf das Papier setzen aber sowieso eher nur Hartgesottene.

Die Selbstdemontage der Firma, die früher mit ihren Anti-Sweatshop-Werbekampagnen den Nerv der Hipster getroffen hatte, zieht sich schon über Jahre. Der Niedergang ist eng mit Ex-CEO Charney verbunden. Der exzentrische sich als Sexprotz gebende Manager führte das Unternehmen im Guru-Stil wie eine Neo-Kommune. Das galt eine Zeit lang als besonders und cool. Solange man als private Firma in der Nische agierte, war es auch kein Problem.

Nach dem Gang an die Börse aber drehte der Wind: Die Investoren interessierten sich mehr für Zahlen als für hippe T-Shirts, Leggings und den exzentrischen Chef. Bei American Apparel stimmten die Zahlen Anleger aber nie zufrieden. Kein Wunder, dass die Aktie es an der New York Stock Exchange kaum jemals über den Ausgabepreis von acht Dollar schaffte und heute unter der Marke von einem Dollar dümpelt. Charney musste im Juni gehen, heute kämpft American Apparel mit dem Chaos, das der einstige Chef hinterlassen hat.