Technik

Telekom führt Verschlüsselungs-App ein

Angebot für Geschäftskunden – Bedarf für private Nutzer wird geprüft

Schlechte Zeiten für Wirtschaftsspione, NSA und andere Datenkraken: Jetzt bietet auch die Deutsche Telekom ihren Geschäftskunden eine Smartphone-App an, mit der sich Gespräche und Kurznachrichten sicher verschlüsseln lassen. Vodafone hatte eine ähnliche Lösung bereits im Frühjahr 2014 präsentiert. Die Telekom-App wurde von dem Berliner Verschlüsselungsspezialisten GSMK entwickelt. Das 2003 gegründete Unternehmen hat sich auf sichere Sprachtelefonie, die Verschlüsselung von Kurznachrichten und sichere Mobilgeräte spezialisiert. Die App funktioniert sowohl mit Apple- als auch mit Android-Smartphones. Demnächst ist sie auch für Windows-Phones verfügbar.

Bei einem sicheren Gespräch mit der Mobile Encryption App tauschen die beiden beteiligten Geräte einen geheimen gemeinsamen Schlüssel aus, der nur für das aktuelle Gespräch gilt. Man kann sich diesen Schlüssel wie eine komplizierte mathematische Formel vorstellen. Wenn die Gesprächspartner besonders misstrauisch sind, lesen sie sich zusätzlich gegenseitig einen von der App generierten Buchstabencode vor, der nur auf ihren Geräten zu sehen ist.

„Nach menschlichem Ermessen ist diese Technologie nicht zu knacken“, sagt Telekom-Sprecherin Alexia Sailer. In der App würden zwei Verschlüsselungstechnologien verknüpft: AES und Twofish mit jeweils 256 Bits langen Schlüsseln. Allenfalls Quantencomputer (die es noch nicht gibt) könnten in der Zukunft diesen Code knacken. Die App benötigt nur eine Bandbreite von 4,8 kbit und funktioniert damit auch in Gegenden mit schlechter Netzversorgung wie in Brandenburg oder in Ländern der Dritten Welt. Sie funktioniert sogar ohne SIM-Karte über Wlan oder eine Satellitenverbindung.

Unabhängig vom Anbieter

Die Verschlüsselungsapp arbeitet ohne weitere Programme oder Infrastruktur. Es genügt, dass beide Gesprächsteilnehmer die Mobile Encryption App auf ihrem Smartphone installiert haben. Sie funktioniert unabhängig vom Mobilfunkanbieter. Deshalb sind auch sichere Gespräche zwischen Teilnehmern aus unterschiedlichen Netzen möglich. Voraussetzung ist, dass die Nutzer Kunden der Telekom-Tochter T-Systems sind.

Vodafone präsentierte auf der Technologiemesse Cebit 2014 gemeinsam mit dem (inzwischen von Blackberry übernommenen) Sicherheitsanbieter Secusmart die Verschlüsselungsapp Secure Call. Sie sei so sicher wie die Sprachverschlüsselung im Kanzler-Phone, das ebenfalls von Secusmart entwickelt wurde, funktioniere aber auf nahezu allen verfügbaren Smartphones.

Für Privatkunden sind diese Technologien noch nicht verfügbar. Wer seine Kurznachrichten sicher übertragen will, muss Diensten wie Threema oder Telegram vertrauen, falls ihm WhatsApp oder SMS zu unsicher sind. Sie bieten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Wie Telekom-Sprecherin Alexia Sailer sagte, soll eine Studie den Bedarf von Verschlüsselungstechnologie für Privatkunden untersuchen. „Wir können uns das vorstellen. Es gibt aber noch keinen Zeitplan.“

Die neue Sicherheitslösung der Deutschen Telekom ist für Großkunden von T-Systems verfügbar und kostet je nach Abnahmemenge zwischen 15 und 20 Euro pro Gerät und Monat.