Energie

Vattenfall investiert in neuen Windpark

Anlage „Sandbank“ in der Nordsee kostet 1,2 Milliarden Euro. Partner sind die Stadtwerke München

Einzelzimmer, Bad, TV und Internet: Die Ausstattungsliste der Wohnplattform, die gerade auf einer norddeutschen Werft für zwei Offshore-Windkraftanlagen gebaut wird, liest sich wie die eines Mittelklassehotels. Dennoch wird die Arbeit 100 Kilometer vor der Nordseeküste mit nichts an Land vergleichbar sein. Die Wohnanlage für bis zu 50 Techniker ist Teil eines neuen Großprojektes der Energiewende: Der Stromkonzern Vattenfall wird nach Informationen der Berliner Morgenpost zusammen mit den Stadtwerken München für 1,2 Milliarden Euro den Offshore-Windpark „Sandbank“ in die deutsche Nordsee bauen.

Dies ist die erste Investition in eine Großanlage nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes für erneuerbare Energien (EEG), in deren Folge die staatliche Förderung für Offshore-Windstrom sinkt. Für die Wartung und den Betrieb wird dabei erstmals auch eine dauerhafte und mit Stahlstützen im Meeresboden verankerte Wohn-Insel eingesetzt.

Das hat seine Tücken, wie die Bauherren festgestellt haben. „Wir sind eine lernende Industrie. Anfangs war der Respekt vor den technischen Herausforderungen an manchen Stellen vielleicht nicht groß genug“, sagt Gunnar Groebler, Chef des Geschäftsbereiches Erneuerbare Energien bei Vattenfall. Von Vorteil soll auch sein, dass zu dem Projekt „Sandbank“ bereits der Schwester-Windpark „Dan Tysk“ nur wenige Kilometer entfernt in der Endphase ist. 2015 sollen dessen 80 Windräder in den Betrieb gehen. „Sandbank“ wird 72 Windräder auf einer Fläche von 60 Quadratkilometern verteilen. Der Park soll 2017 an das Landnetz angeschlossen werden und dann 288 Megawatt Strom erzeugen. Rein rechnerisch können damit 400.000 Haushalte mit durchschnittlichem Stromverbrauch versorgt werden.

Die Stromkonzerne müssen die Anlagen günstiger bauen und später auch effizienter betreiben. Denn sonst rechnet sich die Stromerzeugung aus Windkraft auf dem Meer nicht mehr. Seit Anfang August ist das reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft. Danach werden die Fördersätze von anfangs 19 Cent in den Folgejahren deutlich verringert. Dennoch beurteilen Vattenfall und die Stadtwerke München das Gesetz als akzeptable Grundlage für den Ausbau der Windkraft auf dem Meer. „Wir haben auf stabile Rahmenbedingungen gewartet. Mit der im EEG angelegten Förderung können wir nun neue Anlagen sinnvoll bauen und betreiben“, sagt Vattenfall-Manager Groebler.

Die notwendigen Kostensenkungen seien ambitioniert, aber richtig, um die Ausbauziele der Offshore-Windkraft zu erreichen. Bei der Planung und beim Bau der Windparks ließen sich zwischen zehn und 20 Prozent sparen, sagt Groebler. Auch wenn solche Zahlen nicht offiziell genannt werden: Die sogenannten Gestehungskosten für Strom von Windrädern auf See müssen in den kommenden fünf Jahren auf zehn Cent je Kilowattstunde verringert werden. Heute liegen diese Kosten mindestens um die Hälfte darüber.

Die Stadtwerke München wiederum, die mit 49 Prozent an dem Windpark beteiligt sind, gehen zumindest in Bayern einen Sonderweg. Windräder sind in dem Bundesland besonders unbeliebt, gerade hat die Landesregierung einen im Bundesvergleich weiten Abstand neuer Anlagen zu bebauten Gebieten im Gesetz festgeschrieben. „Die Entfernung kann durchaus zwei Kilometer betragen, dadurch werden kaum mehr neue Standorte für Windkraftanlagen möglich“, sagte Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach. Auch deshalb habe sich sein Unternehmen entschlossen, nach dem Offshore-Windpark „Dan Tysk“ nun diese zweite Großanlage mit Vattenfall zu bauen. Das Stadtwerk will bis 2025 so viel Strom aus erneuerbaren Energien in eigenen Anlagen erzeugen, wie ganz München verbraucht. Derzeit liegt der Anteil bei 47 Prozent.

Vattenfall investiert auch in den Windpark, weil der Stromkonzern der größte Nutzer von Braunkohle in Deutschland zur Energieerzeugung und deshalb für entsprechend hohe Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich ist. Windkraft soll helfen, die Umweltbilanz des Konzerns aufzubessern. „Unser Wachstum findet bei den erneuerbaren Energien statt. Das Projekt ‚Sandbank‘ ist der Beweis für diese Strategie“, sagt Manager Groebler. Mit diesem und dem Schwester-Windpark „Dan Tysk“ ersetzt der Konzern rein rechnerisch die Leistung eines Braunkohlekraftwerks, selbst wenn die sogenannten Volllaststunden als Kriterium genommen werden.

Vattenfall ist weltweit hinter dem dänischen Konkurrenten Dong der zweitgrößte Betreiber von Windkraftanlagen. Die Windräder drehen sich in Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland.