Kriminalität

Hedgefonds-Manager fuhr jahrelang schwarz

Jonathan Burrows löste absichtlich ein falsches Ticket. Jetzt ist er seinen Job los

Die Häme ist Jonathan Burrows sicher. Der Londoner Hedgefonds-Manager, der bei der weltgrößten Anlagegesellschaft jährlich mehr als eine Million Pfund (etwa 1,25 Millionen Euro) verdiente, hat über Jahre hinweg ein falsches Pendlerticket nach London benutzt und sich so die Kosten für eine Teilstrecke gespart. Im vergangenen November wurde er erwischt. Im Frühjahr zahlte er freiwillig rund 43.000 Pfund an die Zuggesellschaft. Er hatte gehofft, dadurch anonym zu bleiben.

Allerdings begann die britische Verkehrspolizei zu ermitteln – und danach auch die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority. Sie untersucht, ob jemand weiter Finanzgeschäfte abwickeln kann, wenn er sich zivilrechtlich falsch verhalten oder betrogen hat. Es ist möglich, dass Jonathan Burrows aufgrund seiner Schwarzfahrerei nie wieder im Finanzsektor arbeiten kann. Weiteren FCA-Ermittlungen konnte sich der 44-Jährige entziehen, indem er seinen Job als Manager bei Blackrock aufgab. Das Unternehmen erklärte, Burrows sei als Manager nicht mehr tragbar gewesen. Die britische Verkehrspolizei prüft den Fall nach Angaben von Sprecher Glyn Hellam dagegen weiter: „Es kommt immer auf die Art des Vergehens an.“

Britische Zeitungen reagierten hämisch auf den Jobverlust des Briten, der trotz seines Millioneneinkommens offenbar nicht genug Geld übrig hatte, um sich für den Weg zur Arbeit das richtige Ticket zu kaufen.

Wie der „Evening Standard“ berichtete, hatte Burrows seit dem Ende seines Jurastudiums in Manchester bei Blackrock gearbeitet und zum Schluss mehr als eine Million Pfund pro Jahr verdient. Bisher ist es nur der Boulevard-Zeitung „Daily Mail“ gelungen, zu Burrows selbst Kontakt aufzunehmen. Als ihn die Zeitung mit den Vorwürfen konfrontierte, reagierte der Millionär schnippisch: „Dunno what you’re talking about“ – „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“

Gesprochen wird über Folgendes: Burrows scheint fünf Jahre lang auf dem Weg zur Arbeit nicht kontrolliert worden zu sein. Im November 2008 kaufte er sich zuletzt ein Monatsticket für die Strecke von Stonegate, dem Bahnhof in der Nähe seines Hauses im Süden von London, nach Cannon Street im Zentrum Londons. Ein Ticket für die rund 83 Kilometer lange Strecke kostet derzeit 21,50 Pfund, ein Jahresticket 4500 Pfund.

Irgendwann umging Burrows einen Teil der Fahrtkosten, indem er den Zug ohne Ticket bestieg – in Stonegate gibt es anders als an anderen Bahnhöfen keine Zugangskontrollen – und die Zugangskontrollen im Bahnhof Cannon Street mit einer Magnetkarte für die Londoner U-Bahn passierte.

Weil Burrows mit der Karte aus dem U-Bahn-Netz „auscheckte“, ohne zuvor „eingecheckt“ zu haben, wurden ihm 7,20 Pfund Strafe berechnet. Für die Gesamtstrecke sparte er sich so 14,30 Pfund. Ein Sprecher der Zuggesellschaft Southeastern sagte, auf der Strecke würden regelmäßig Tickets kontrolliert. „Die ehrliche Antwort ist, dass wir nicht wissen, wie er es vermied, entdeckt zu werden“, sagt ein Sprecher. „Er muss sehr schlau gewesen sein.“

Für die gebeutelte Londoner Finanzindustrie ist der Vorfall erneut keine Werbung. Britische Zeitungen, darunter der angesehene „Telegraph“, ziehen Parallelen zwischen dem Fehlverhalten von Burrows und dem anderer Banker, die zum Beispiel den Londoner Interbankenzins Libor manipuliert hatten oder beim Goldpreis und anderen Indizes getrickst hatten.

„Ist das kollektiver Irrsinn, der sich in der Finanzbranche ausbreitet?“ fragt der „Telegraph“, andere Medien äußerten sich ähnlich. Der Fall Burrows zeige erneut, dass sich die „City of London“ und ihre Angestellten mehr und mehr von der Welt der Normalsterblichen zu verabschieden scheinen. Wie einige seiner Kollegen, so hatte auch dieser Banker offensichtlich geglaubt, dass für ihn andere Regeln als für den Rest der Gesellschaft gelten.