Gründerzeit

Die neue Form des klassischen Fotos

Jürgen Stüber über den Erfolg des Berliner Unternehmens EyeEm

Die Berliner Fotoplattform EyeEm hat in letzter Zeit vieles richtig gemacht: Sie hat sich global aufgestellt, renommiertes Personal verpflichtet, ein Geschäftsmodell präsentiert und immer wieder die eigene Plattform optimiert.

EyeEm ist eine Gemeinschaft von Mobilfotografen und Fotointeressierten. Bilder der Smartphonekamera werden auf die Plattform hochgeladen, mit Begriffen katalogisiert und damit digitalen Fotoalben zugeordnet. Das können Orte sein, aber auch Themen. Damit das nicht zu unübersichtlich wird, können bis zu vier Themen-Tags und ein Geo-Tag vergeben werden. Darüber hinaus können Bildtexte frei gewählt werden. Ferner gibt es wie bei vielen anderen Fotoplattformen auch die Möglichkeit, Bilder mit Filtern und Rahmen zu verfremden.

Nutzer der Plattform folgen ausgewählten Fotografen und sehen dann diese Bilder in ihrem persönlichen Fotostream. Ferner können sie Alben folgen – also fotografischen Themen, für die sie sich interessieren. Nutzer haben die Möglichkeit, Bilder zu liken und zu kommentieren. Weltweit nutzen inzwischen mehr als zehn Millionen Fotografen und Fotofreunde den Dienst

So kam das Start-up in der vergangenen Woche nicht nur mit einem Update seiner iPhone- und iPad-Apps um die Ecke, die EyeEm lobende Erwähnungen durch den Technologiekonzern Apple, der die Smartphones und Tablets herstellt, in der Liste der besten neuen Apps einbrachte – übrigens weit vor der US-Empfehlungsplattform Foursquare, der Berliner Online-Stilberatung Outfittery und dem Berliner Aufgabenplaner Wunderlist.

Die Kreuzberger präsentierten auch eine Reihe von Kooperationen, die bei EyeEm Missionen genannt werden. Dabei handelt es sich um befristete gemeinsame Foto-Events mit Marken. Nutzer werden aufgefordert, mit ihren Smartphones Fotos zu einem vorgegebenen Thema zu schießen und können dabei Preise gewinnen. Aktuelle Partner sind Foursquare und die Huffington Post. Im einen Fall werden die Nutzer aufgefordert, zu fotografieren, wo sie ausgehen. Und wie. Im anderen Fall sollen Fotografen abbilden, was Frieden für sie bedeutet.

Jetzt zum Vergrößern

Mit dem jüngsten Update seiner iPhone- und iPad-App hat EyeEm ein Defizit früherer Versionen behoben. Jetzt besteht mit der neuen Funktion EyeZoom die Möglichkeit, auch Ausschnitte eines Fotos zu vergrößern. Ein Tap auf das Bild öffnet den Ausschnitt im Vollformat und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, sich Details des Bildes genauer anzusehen. Das Bild wird im Hintergrund des Programms in hoher Auflösung geladen und steht dann auf Wunsch in der großen Ansicht zur Verfügung.

In den nächsten Wochen will EyeEm auch erste Zahlen über die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Fotodatenbank Getty aus Seattle bekannt geben. Sie besteht seit Anfang des Jahres. Fotografen können ihre EyeEm-Bilder dabei über Getty vermarkten und damit Geld verdienen. Für Getty öffnet sich durch EyeEm der neue Markt der mobilen Fotografie. Allerdings müssen Fotografen dabei ein hürdenreiches Rechte-Management bewältigen, das manchen abschrecken mag, seine Bilder über Getty zu vermarkten. Übrigens respektiert EyeEm – anders als viele andere digitale Fotoplattformen – die Rechte seiner Fotografen, die selbst über die Nutzung ihrer Bilder entscheiden können.

Alle Kolumnen und weitere Blogpost lesen Sie unter http://gruenderzeit.morgenpost.de/