Ratgeber

Der Trick mit der Gepäckjacke

Wie man sich die Gepäckgebühren der Fluggesellschaften sparen kann

Es passiert jeden Tag, auf allen Flughäfen dieser Welt. Ein Passagier will an Bord zu seinem Billigflug, doch freundliche Mitarbeiter der Fluggesellschaft halten ihn auf. Er hat zu viel Handgepäck dabei, trägt zwei Taschen statt einer oder einen Koffer, der nicht den Vorschriften der Fluggesellschaft entspricht. In den meisten Fällen muss das zusätzliche Gepäck teuer aufgegeben werden. Das hat einen Modetrend kreiert: Taschen, Westen und Jacken, die dem Passagier helfen, so viel wie möglich am Körper zu tragen, ohne zusätzlich zu zahlen.

Auch Katy Leung war ein Opfer der Handgepäckbestimmungen, bevor sie ihr Unternehmen „Bagket“ gründete. „Ich bin so viele Male aufgehalten worden und musste draufzahlen“, sagt sie, „das war immer ein riesiges Ärgernis.“ Leung wollte sich nicht mehr ärgern. Vor zwei Jahren kam ihre Bagket auf den britischen Markt, eine Kombination aus Weste und Tasche. Die Seitentaschen bieten viel Stauraum, für rund 70 Pfund, etwa 88 Euro, verspricht Leung stressfreies Reisen mit Ryanair & Co. Rund ein Drittel ihrer Bestellungen geht nach Deutschland.

Sandro Cafasso hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er vertreibt seit knapp anderthalb Jahren von Großbritannien aus das „Stuffa Jacket“. „Es war schockierend“, sagt der Unternehmer. „Ich kam von meiner ersten Winterreise in die Schweiz wieder, und viele meiner Mitreisenden mussten am Flughafen ihre Kleidung wegwerfen, weil sie es sich nicht leisten konnten, die Extra-Gebühren zu zahlen.“ Cafasso verlangt 69,99 Pfund für die Jacke. Er verspürt bei seinen Kunden zunehmenden Ärger darüber, vor jedem Abflug die Gepäckbestimmungen prüfen zu müssen. „Jedes Mal, wenn man zum Flughafen fährt, haben sich die Dinge wieder geändert“, sagt er. Aus dem Grund sei es oft nicht billiger, mit den sogenannten Budgetfluggesellschaften zu reisen.

Das bestätigt auch der Engländer Andrew Gaule, der ebenfalls Spezialkleidung verkauft. „Leider gibt es bei den Airlines viele Enttäuschungen beim Service und bei den Extragebühren“, sagt er. Er entwarf daraufhin „Rufus Roo“, eine lang geschnittene Weste, die für 29,95 Pfund im Internet und am Flughafen Bristol vertrieben wird. Gaule hat bereits mehr als 10.000 Stück verkauft, Deutschland ist sein wichtigster Markt in Kontinentaleuropa. Bis zu zehn Kilogramm passen in die sechs Westentaschen.

Dem Geschäft mit den Extragebühren – Ryanair verlangt am Flughafen zwischen 60 und 140 Euro für vor Ort eingecheckte Gepäckstücke – scheinen die Westen bisher nicht geschadet zu haben. Die Fluggesellschaften beanstanden die Kleidung bisher nicht. „Es gibt keine Regeln, die die Kleidung betreffen“, sagt Gaule. „Sie müssen die Weste auch nicht die ganze Zeit tragen, nur so lange, bis Sie im Flugzeug sind.“ Ryanair habe kein Problem mit den Produkten, sagt Kommunikationschef Steve McNamara. „Wir glauben nicht, dass es uns besondere Probleme bereitet. Nur wenn 189 Leute auf einem Flug sie tragen, könnte das zu einem Problem werden.“ Wegen des Gewichts.