Fluggesellschaft

Etihad sichert sich Kontrolle über Alitalia

Air-Berlin-Aktionär investiert mehr als eine Milliarde Euro in trudelnde Firma

Air-Berlin-Großaktionär Etihad ist in Italien am Ziel. Die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi steigt bei der schwer angeschlagenen Alitalia ein und verhindert so die Pleite der italienischen Fluggesellschaft. Etihad investiert bis 2018 insgesamt 1,25 Milliarden Euro. 560 Millionen Euro sind sofort fällig – für 49 Prozent der Alitalia-Aktien, neue Slots am Londoner Flughafen Heathrow und für eine Beteiligung an dem Meilenprogramm „Millemiglia“. Die Altaktionäre von Alitalia, allen voran die Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit, geben dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung 300 Millionen Euro frisches Geld. Rund 2200 der 14.000 Mitarbeiter müssen gehen.

Monatelang hatten Etihad-Chef James Hogan und sein Alitalia-Kollege Gabriele Del Torchio verhandelt. Am Freitag gaben auch die Gewerkschaften ihren Widerstand auf. Die Alitalia-Hauptversammlung genehmigte den Plan. Endgültig ist allerdings immer noch nichts, unter anderem muss die EU noch zustimmen.

Es ist der zweite Neustart für Alitalia nach 2008. Damals schlingerte die Fluggesellschaft kräftig, ein Notverkauf an Air France galt als unausweichlich. Doch Silvio Berlusconi versprach im Wahlkampf, die Fluggesellschaft in italienischen Händen zu bewahren, sollte er gewinnen. Er gewann die Wahl. Ein Konsortium an italienischen Unternehmern unter der Führung der Bank Intesa Sanpaolo sprang ein und finanzierte die Wiedergeburt.

Doch Billigfluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet schnappten Alitalia im harten Preiskampf die Kunden weg. Schnellzüge erwiesen sich zwischen den wichtigsten Städten Mailand und Rom im Vergleich zum Flugzeug als billiger und schneller. Auf den internationalen Strecken wiederum fehlte Alitalia die Kraft, um Schwergewichten wie Lufthansa etwas entgegenzusetzen. Alitalia flog 2009 bis 2014 einen Gesamtverlust von geschätzt 1,7 Milliarden Euro ein. Zuletzt drohte wieder die Pleite.

Der neue Hauptaktionär Etihad hat viel Geld, wie er schon mehrfach bei der ebenfalls schwer angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin bewiesen hat. Und Etihad hat eine Strategie. Die Fluggesellschaft kommt mit dem Einstieg bei Alitalia dem Ziel einer europäischen Flugallianz näher. Etihad ist bereits an Air Berlin (knapp 30 Prozent) und Air Serbia (49 Prozent) beteiligt. Im Mittelpunkt dieser Pläne stehen die Berliner, die Etihad seit ihrem Einstieg 2011 mit Geldspritzen von etwa 800 Millionen Euro und Sachleistungen – wie neuen Flugzeugsitzen – stützt. Inwiefern die Pläne für ein Drehkreuz am neuen Flughafen BER in Berlin dazu passen, ist unklar. Sehr wahrscheinlich ist ein solches Drehkreuz angesichts der Bauverzögerungen nicht unbedingt. Air Berlin beförderte 2013 rund 31,5 Millionen, Alitalia 24 Millionen Passagiere.

Über eine engere Zusammenarbeit von Alitalia und Air Berlin wird seit dem Frühjahr spekuliert. Die Berliner hatten 2013 wie die Jahre davor rote Zahlen geschrieben. Konzernchef Wolfgang Prock-Schauer kündigte im Mai an, das Unternehmen grundsätzlich neu aufzustellen. Wie, ist aber noch nicht bekannt.

Was Etihad mit Alitalia vorhat, ist allerdings schon klar: Das Unternehmen soll zu einem Premium-Anbieter umgewandelt werden, der vor allem auf internationalen Strecken unterwegs ist. Die Zahl der Langstreckenflüge soll steigen. Unrentable Inlandsflüge sollen wegfallen. 2017 soll Alitalia dann 108 Millionen Euro Überschuss ausweisen.