Einstieg

Philippiner steigen bei Rocket Internet ein

Start-up-Fabrik ist 3,3 Milliarden Euro wert. Zehn Prozent der Anteile übernommen

Der philippinische Telekommunikationskonzern PLDT hat für 333 Millionen Euro zehn Prozent des Berliner Internetunternehmens Rocket Internet übernommen. Damit wird Rocket Internet, das sich kürzlich in eine Aktiengesellschaft umfirmierte, kurz vor dem erwarteten Börsengang mit 3,3 Milliarden Euro bewertet. Philippine Long Distance Telephone (PLDT) ist der führende Telekommunikationsanbieter in dem südosteuropäischen Land. Oliver Samwer, Vorstandschef und Gründer von Rocket Internet, hob die Gemeinsamkeit beider Unternehmen bei digitalen Geschäftsmodellen insbesondere in Schwellenländern hervor. Strategische Partnerschaften seien ein Kernelement von Rocket, um seine internetbasierten Dienste und Geschäftsmodelle schnell in neuen Ländern ausrollen zu können.

Samwer erklärte: „Finanztechnologien sind eine zentrale Schlüsselbranche für Rocket und diese Partnerschaft wird uns erlauben, auf Weltklasseinnovationen von PLDT bei mobilen Gelddienstleistungen und Mikrozahlungen aufzubauen und diese Lösungen rund um die Welt bereitzustellen.“ Die bekanntesten Rocket-Marken in Südostasien sind die Onlinehandelshäuser Zalora und Lazada.

Pionier für mobile Bankdienste

PLDT gilt als Pionier bei mobilen Bank- und Bezahldienstleistungen. Dazu gehören Onlineüberweisungen, Zahlungen, Auszahlung, Bankwesen und Sicherheit. PLDT wurde für einzelne Angebote von den Vereinten Nationen, USAID und dem Mobilfunk-Weltverband GSMA ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelte insbesondere Lösungen für Länder, deren Bewohner kaum Zugang zu Banken haben.

PLDT ist nach den Samwer-Brüdern, der schwedischen Investmentfirma Kinnevik und Access Industries, der Beteiligungsgesellschaft des russischstämmigen Investors Len Blavatnik, der vierte Aktionär von Rocket. Der Anteil von Kinnevik schmilzt durch den PLDT-Einstieg von 23,9 auf 21,5 Prozent. Die 1936 gegründete Industrie-Holding Kinnevik bestand ursprünglich aus Stahl-, Papier- und Schokoladefirmen. In den vergangenen Jahren wurde sie in ein Telekommunikations- und Medienimperium umgebaut.

Rocket Internet wurde 2007 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründet. Das Unternehmen mit weltweit mehr als 20.000 Angestellten ist hauptsächlich ein Internet-Inkubator, der Start-ups auf den Weg bringt. Zu den Firmen, die bei Rocket groß geworden sind, gehört der Modehändler Zalando. Rocket Internet ist mit seinen digitalen Marktplätzen, Finanzdienstleistern und Onlinehandelsfirmen in mehr als 100 Ländern aktiv.

Rocket vor Börsengang

Rocket Internet bereitet derzeit einen Börsengang noch für das laufende Jahr vor, ebenso wie der im Jahr 2008 gegründete Onlineversender Zalando, der ebenfalls von den Samwers finanziert worden war und zuletzt mit 3,8 Milliarden Euro bewertet wurde. Hauptaktionär von Zalando ist die schwedische Investmentfirma Kinnevik mit 37 Prozent. Die Samwer-Brüder halten Berichten zufolge 17 Prozent der Aktien. Zalando nähert sich der Gewinnzone. Im zweiten Quartal 2014 seien schwarze Zahlen erreicht worden, sagte Vorstand Rubin Ritter kürzlich. Der Nettoumsatz stieg im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro.