Justiz

Ecclestone verhöhnt das Gericht

Der Formel-1-Boss lobt das „kapitalistische System“ in der Bundesrepublik. Auch die BayernLB erwartet eine Entschädigung

Auf einmal war der mächtige Manager ganz demütig. Ja, er werde die 100 Millionen Dollar schnell bezahlen. Und nein, natürlich werde er nicht riskieren, erneut dem Vorsitzenden Richter Peter Noll als Angeklagter gegenübertreten zu müssen. Viele Hände schüttelte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. So wie zum Dank.

Es muss nun wie Hohn klingen, was der Brite nach seinem Rückflug nach London im Privatjet mitteilte. „Eigentlich finde ich dieses kapitalistische System gut“, sagt er im Gespräch mit der „Bild“ auf die Frage, ob er nicht einen zu hohen Preis für das Prozessende bezahlen musste. „So laufen die Dinge nun mal in Deutschland.“ Ecclestone stand wegen der Anschuldigung vor Gericht, er habe den früheren Manager der Bayerischen Landesbank BayernLB, Gerhard Gribkowsky, mit 44 Millionen Dollar bestochen, damit der den Verkauf eines Anteils der Bank an der Formel 1 an einen von Ecclestone ausgewählten Investor verkauft. Ihm drohten zehn Jahre Haft.

Ecclestone bestritt zwar energisch seine Schuld. Er behauptete bis zuletzt, von dem BayernLB-Manager erpresst worden zu sein. Trotzdem stimmte er am Dienstag zu, 100 Millionen Dollar (umgerechnet 75 Millionen Euro) zu bezahlen, damit das Verfahren gegen ihn beendet wird.

Prozessende gegen Geld?

Ecclestone befeuert mit seinem Londoner Interview die Debatte über Sinn und Unsinn des Strafrechtsparagrafen 153a, der die Einstellung eines Gerichtsverfahrens gegen Geldauflage vorsieht. Dass Ecclestone den Prozess gegen Geldauflage in historischer Höhe beenden konnte, führte rasch zum Vorwurf, reiche Menschen könnten sich vor der deutschen Justiz freikaufen.

Es ist ein Vorwurf, den Ecclestone so nicht gelten lassen möchte. „Es sieht für mich so aus, als ob die Richter ihrer Meinung nach nicht wirklich eine andere Wahl hatten“, sagte der Formel-1-Manager. Tatsächlich standen die Chancen für die Justiz schlecht, den Manager zu verurteilen. Auch deswegen hatte Richter Peter Noll am Dienstag der Absprache zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung zugestimmt. Die Höhe der Summe, die Ecclestone bezahlen muss, sei so gewählt, dass sie „spürbar“ sei, gleichwohl den Briten aber nicht überlaste.

Ecclestone atmet nun auf. Kein Wunder. Immerhin ist er in der glücklichen Position, ausreichend Geld zur Verfügung zu haben. „Es ist sicher ein wenig unglücklich, so viel Geld zu bezahlen“, sagt er nach dem Urteil. „Aber noch unglücklicher ist es, das Geld nicht zu haben.“ Ecclestone hat zwar ein Milliardenvermögen mit der Formel 1 geschaffen. Doch einen großen Teil davon hatte er einer Stiftung übertragen, die seine Ex-Frau und die gemeinsamen Töchter begünstigt. Er erhält als Scheidungsabfindung über zehn Jahren jährlich 100 Millionen Dollar von seiner Ex-Frau.

Die geringen Chancen auf eine Verurteilung hatten dazu geführt, dass Ecclestone günstig davonkam. Noch vor Prozessbeginn hatten die Ankläger nach Informationen der „Berliner Morgenpost eine Summe von mehr als 250 Millionen Dollar (190 Millionen Euro) als Kompromiss diskutiert. In die Verhandlungen vergangener Woche waren sie mit der Forderung nach 150 Millionen Euro gegangen.

Für Ecclestone ging es in dem Prozess um viel. Ob der 83-Jährige im Fall einer Verurteilung wirklich seine Haft hätte absitzen müssen, das wäre eine offene Frage gewesen. Sicherer wäre es allerdings gewesen, dass er seine zentrale Stellung in der Formel 1 eingebüßt hätte. Die Rennserie war von Ecclestone vor fast vier Jahrzehnten ins Leben gerufen worden. Sie wird von ihm dominiert. Offiziell hält er nur noch einen Anteil von fünf Prozent an der Rennserie. Im Prozess, der Vorwurf lautete auf Bestechung von Amtsträgern und Beihilfe zur Untreue, wurde er zwar freigesprochen. Gleichwohl dokumentiert er, wie freiherzig und intransparent Ecclestone hohe Millionenbeträge überweist, um seine Machtstellung zu zementieren. Die 100 Millionen Dollar für die Staatskasse können damit eine notwendige Betriebsausgabe sein, um weiter als zentrale Figur in der Formel 1 mitzumischen. Und das will er mit großem Engagement tun. „Yeah“, sagte er. „Jetzt bin ich wieder voll da.“

Immerhin, Deutschland habe ihm sehr gut gefallen. Es sei zwar „nicht lustig“ gewesen, zwei, drei Tage in München vor dem Amtsgericht zu stehen. Aber er habe sich „ein bisschen verliebt in München und seine Menschen“, sagte der Milliardär. „Ich würde gerne bald wieder nach München kommen. Vielleicht schon zum Oktoberfest.“

Die BayernLB muss ihre Hoffnungen auf eine große Entschädigung von Ecclestone allerdings wohl begraben. 400 Millionen Dollar Schadenersatz wollte die Landesbank gerne von Ecclestone haben – nach der Einstellung des Prozesses wird es aber eher ein kleiner Teil davon: Geboten hat Ecclestone der Landesbank nur 33 Millionen Dollar (25 Millionen Euro). Nun muss die BayernLB schnell entscheiden, ob sie zugreift: Bis zum morgigen Freitag läuft die Frist für das Angebot. Ein Sprecher der Landesbank äußerte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht dazu. Ecclestone will das Geld zusätzlich zu seiner Geldauflage von 100 Millionen Dollar an die Landesbank zahlen – als Entschädigung.