Altersvorsorge

Niedrige Zinsen: EZB bringt Betriebsrenten in Schieflage

Die Zinsen in Deutschland sind so niedrig wie nie.

Das ist gut für alle, die einen Kredit aufnehmen wollen. Doch Sparer wissen schon lange um die Nachteile, wenn sie auf ihr Tagesgeldkonto oder auf ihre Lebensversicherungen schauen. Und nun droht der nächste Schlag: Jetzt geraten auch die Betriebsrenten in Gefahr.

Dies zeigt eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Towers Watson. Sie hat untersucht, wie hoch die Deckung bei deutschen Firmen für die in Aussicht gestellten Betriebsrenten ist. Das Ergebnis: Bei den großen deutschen Konzernen ist sie in den vergangenen Monaten drastisch zurückgegangen. So fiel der Ausfinanzierungsgrad bei den Dax-Konzernen von 65,3 auf 61,3 Prozent, im MDax sogar von 51,4 auf 48,1 Prozent. Dass die Deckung unter 100 Prozent liegt, ist dabei nicht das eigentliche Problem. Die Firmen müssen nicht die komplette Summe zurücklegen, die ein Mitarbeiter in 20, 30 oder 40 Jahren ausbezahlt bekommt, denn sie legen das Geld in der Zwischenzeit natürlich an. Die Unterdeckung bei den Pensionsplänen wird dann durch die Zinsen im Laufe der Jahre ausgeglichen. So die Theorie. Doch sie kommt bei einer anhaltenden Nullzinspolitik ins Wanken. Je niedriger die Zinsen, desto schwerer wird es, die Unterdeckung auszugleichen.

Die Renditen für Bundesanleihen fielen zuletzt auf ein neues Rekordtief. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren erhalten Anleger inzwischen nur noch rund 1,15 Prozent Zinsen. Eine Änderung ist nicht in Sicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Juni den Leitzins erneut gesenkt und belegt Guthaben, die Banken bei ihr parken mit einem Negativzins. Schon heute könnte es zu weiteren Senkungen kommen, wenn der EZB-Rat zu seiner turnusgemäßen Zinssitzung zusammentritt. Denn die Inflationsrate in der Euro-Zone ist im Juli auf 0,4 Prozent gesunken.