Fluggesellschaften

Die Flugpreise heben ab

Ausgaben für Pensionen der Lotsen steigen. Entscheidung fällt voraussichtlich im November

Im nächsten Jahr sollen nach den Vorstellungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) die Gebühren für das Fliegen in Deutschland um 30 Prozent steigen. Im Juni sickerte durch, was DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle jetzt bestätigte. Der Gebührensprung sei notwendig und unvermeidbar, sagte der DFS-Chef am Unternehmenssitz im hessischen Langen. Er versuchte, die Auswirkungen für die Fluggäste zu verniedlichen und sprach von grob 80 Cent Mehrkosten pro Passagier. Zwar wird die endgültige Entscheidung über den Gebührensprung erst im November fallen. Dann beraten das Verkehrsministerium und die EU Kommission über die Gebührensätze von 2015 bis 2019. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung hat dem Vorschlag der DFS aber bereits an das Verkehrsministerium weitergeleitet. Damit kämen indirekt jährlich rund 300 Millionen Euro mehr in die Staatskasse.

Zahl der Flüge ging zurück

Der DFS-Chef begründete die geforderte Gebührenanhebung mit einer Finanzierungslücke bei den Pensionsverpflichtungen. Außerdem seien die Flugbewegungen in Deutschland in 2012 und 2013 nicht wie eingeplant gestiegen, sondern waren sogar rückläufig. Dadurch waren die Gebühreneinnahmen geringer. Im ersten Halbjahr 2014 wurde ein geringes Plus von 0,6 Prozent erzielt. Dieses Plus wird auch im Gesamtjahr erwartet.

Mit Durchschnittsjahresgehältern von mehr als 100.000 Euro gehören Fluglotsen zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Wegen der hohen Sicherheitsanforderungen im Job können sie zudem bereits ab einem Alter von 52 Jahren in den Vorruhestand gehen, ausgestattet mit einer Übergangsversorgung, die sich hinter den Regeln für Lufthansa-Piloten nicht zu verstecken braucht. Trotz steigenden Preisdrucks müssen die Lotsen der Deutschen Flugsicherung aber nicht um ihre Privilegien fürchten.

„Unsere Übergangsversorgung ist noch einbetonierter als bei der Lufthansa“, sagt Klaus-Dieter Scheurle auf die Frage nach weiterem Einsparpotenzial. Die Pensionslasten nehmen einen immer größeren Kostenblock ein, weil am Kapitalmarkt kaum noch Zinsen zu erwirtschaften sind. Was an Zinsen nicht reinkommt, muss aus Eigenmitteln finanziert werden – die Kosten für Airlines und letztlich für deren Passagiere steigen.

Um die bestehende Lücke bei den Betriebsrenten zu schließen, müsse man in den kommenden 15 Jahren rund 1,3 Milliarden Euro ansparen. Über eine Kündigung der Pensionsregelungen nach dem Vorbild der Lufthansa wird in der Langener Zentrale bislang nicht nachgedacht. Ohnehin laufe der entsprechende Mantel-Tarifvertrag bis 2018. Neue Regelungen, sofern sie überhaupt erreichbar seien, könnten dann nur für Neulinge gelten, während die bereits vorhandenen Mitarbeiter Bestandsschutz genießen.

Die kleine Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will die Privilegien der Kollegen natürlich verteidigen. Es sei klar, dass bei 75 Prozent Personalkosten die Tarifverträge als die große Sparbüchse angesehen würden, sagt die GdF-Tarifexpertin Petra Reinecke. Man will daher frühzeitig in Überlegungen eingebunden werden, in ihrer Zeitschrift fordert die Spartengewerkschaft den neuen Arbeitsdirektor Michael Hann zu intensiveren Gesprächen auf.

Die Fluggesellschaften hatten die geplanten Gebührenerhöhungen bereits kritisiert, obwohl sie vermutlich auf die Fluggäste umgelegt werden. Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) verweist darauf, dass bei einer Umsetzung der Pläne künftig in Deutschland die teuersten Streckengebühren in ganz Europa anfallen.

Keine Verluste erlaubt

Die Flugsicherung steckt bei ihrer Gebührenpolitik in einer Zwickmühle. Das Unternehmen ist eine privatrechtlich organisierte Firma, die zu 100 Prozent dem Bund gehört. Sie hat in der Steuerung des zivilen und militärischen Flugverkehrs in Deutschland quasi eine Monopolstellung. Mit ihren gut 6000 Beschäftigten, gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 35 Millionen Euro Gewinn im Jahr 2013 muss sie nach Abschaffung der Vollkostendeckung verlustfrei wirtschaften.

Höhere Flugpreise drohen auch, weil Russland als Reaktion auf die Sanktionen der EU einem Zeitungsbericht zufolge erwägt, die Überflugrechte für europäische Gesellschaften zu beschneiden. Im Verkehrs- und im Außenministerium werde geprüft, ob Flüge über russischem Gebiet eingeschränkt oder gar verboten würden, berichtete die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“. Beschränkungen bei der Nutzung der Transsibirien-Route würden die Flugzeit nach Asien erhöhen und damit die Treibstoffkosten in die Höhe treiben. Für Lufthansa, British Airways und Air France könnten sich die Einbußen dem Bericht zufolge bei einem drei Monate währenden Verbot auf rund eine Milliarde Euro summieren.