Unternehmen

Mehr Gewinn durch Portoerhöhung

Das Transportgeschäft der Post schwächelt. Nun soll das Personal weniger verdienen

Den rund 150.000 Mitarbeitern der Post in der Brief- und Paketzustellung stehen unruhige Zeiten ins Haus. Wie der Bonner Konzern jetzt mitteilte, soll die wichtigste Sparte der Post den Gewinn in diesem Jahr noch einmal um 100 Millionen Euro steigern – weil andere Geschäfte wie der internationale Transport schwächeln und saniert werden müssen. Da der Postvorstand nach eigenen Angaben noch nicht absehen kann, wie viel der Umbau des Luft-, See- und Landtransports kostet, hat er das bisherige Gewinnziel für das nächste Jahr gestrichen und nennt keine Prognose mehr. Bei den Postboten indes sollen die Kosten gesenkt werden.

Zur Gewinnsteigerung im Briefversand in diesem Jahr soll die jüngste Portoerhöhung auf 60 Cent vom Januar 2014 beitragen. Aber auch vom wachsenden Onlinehandel und steigenden Paketzahlen will der Konzern profitieren. Insgesamt soll der „Post E-Commerce Parcel“ genannte Geschäftsbereich in diesem Jahr einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von nun 1,3 Milliarden Euro erreichen. Beim Blick auf das jüngste Quartalsergebnis verwundert dieser Optimismus allerdings: Denn in dem Zeitraum sank der Gewinn im Brief- und Paketversand um 21 Prozent auf nur noch 188 Millionen Euro. Als Begründung nennt die Post höhere Personalkosten sowie Investitionen in die Paketinfrastruktur.

Für die anderen drei Bereiche der Tochterfirma DHL – den Expressversand, den Transport und die Kontraktlogistik – hat der Vorstand die Prognose des laufenden Geschäftsjahres auf zwei bis 2,2 Milliarden Euro verringert. „Das Frachtgeschäft ist in diesem Jahr alles andere als ein Selbstläufer“, wird Postchef Frank Appel in einer Mitteilung zitiert. Dort brach der Gewinn um ein Fünftel zusammen, und das trotz deutlich höherer Transportmengen.

Als Gründe führt das Management den „erbitterten Wettbewerb, die verhaltene Weltkonjunktur und Währungseffekte durch den starken Euro“ an. Gerettet wurden die Quartalszahlen fast ausschließlich vom stark wachsenden internationalen Expressversand: Mit diesen meist teuren Eilsendungen verdiente DHL vor Zinsen und Steuern fast 18 Prozent mehr.

Langfristig will die Post den Gewinn der Brief- und Paketsparte auf bis zu 1,8 Milliarden Euro steigern. Ein Mittel dazu: Unterhalb der heutigen Einstiegslöhne der Postboten von gut 13 Euro pro Stunde soll eine neue Lohnebene eingeführt werden. „Wir müssen das Delta zwischen den Lohnkosten der Post und denen der Konkurrenz schließen“, hat Postchef Appel zuletzt angekündigt.

Das soll heißen: Die Mitarbeiter der Post sollen künftig nicht mehr verdienen als Fahrer bei DPD oder Hermes. Der Tarifabschluss aus dem vergangenen Jahr sei mit rund drei Prozent Lohnplus zu hoch ausgefallen, beklagte sich Appel. Für die Gewerkschaft sind Appels Pläne eine Kampfansage. „Wenn der Vorstand der Post eine dauerhafte Absenkung des Tarifniveaus plant, wird das mit uns nicht zu machen sein“, sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi auf Bundesebene, kürzlich.

Der Gesamtumsatz des Bonner Konzerns lag im zweiten Quartal 2014 bei 13,7 Milliarden und damit um knapp ein Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraumes. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg im Quartalsvergleich fast sechs Prozent auf 654 Millionen Euro. Der Konzerngewinn nach Steuern verbesserte sich um neun Prozent auf 461 Millionen Euro.