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Mehr Spiegel als Automodelle: VW räumt auf

Die komplexe Struktur ist die größte Herausforderung

Brandrede, Milliarden-Sparprogramm – und dann trat auch noch ein Vorstand zurück. Bei Volkswagen geht es hoch her, seit Konzernchef Martin Winterkorn der wachsenden Komplexität bei Europas größtem Autobauer den Kampf angesagt hat. Für das plötzliche Aus von Produktionschef Michael Macht nannte VW bisher zwar keinen Grund – doch gab es zuletzt deutliche Hinweise auf Unzufriedenheit mit seinem Zuständigkeitsbereich. Winterkorn persönlich kritisierte Mitte Juli vor über 1000 Führungskräften etwa die Fabrikkosten: Die Planung der Anlagen sei oft zu groß, zu komplex, zu teuer, volle Verfügbarkeit oft erst mit Verspätung gewährleistet.

Auch die Umsetzung des zentralen Baukastensystems MQB, mit dem VW aus Kostengründen mehr identische Bauteile in unterschiedliche Modelle bringen will, monierte der Chef. Das Ausrollen der Baukastenstrategie sei „ein echter Kraftakt“ – wobei Winterkorn neben Entwicklung und Einkauf auch die Werke erwähnte. Alle seien nun verantwortlich, Kostenziele und Termine einzuhalten.

Der Perfektionismus ist weit ausgeprägt in dem Unternehmen, in dem sich Winterkorn als Chef auch um kleinste Details kümmert. Trotzdem droht in dem Riesenkonzern mit seinem rasanten Wachstum einiges aus dem Ruder zu laufen. Die Rendite seiner Kernmarke rund um den Golf steht unter Druck.

Wer den Aufruhr verstehen will, muss die Struktur des Konzerns ansehen. Da ist zunächst Winterkorn, Herr über das Zwölf-Marken-Reich mit fast 600.000 Mitarbeitern. Er sagt über Führung: „Wir haben das System so scharf gestellt, dass ein Problem binnen kürzester Zeit bei uns ankommt.“ Über ihm steht Aufsichtsratschef, Großaktionär und Ex-Konzernboss Ferdinand Piëch. Er sagt: „Die Vorstellung einer höchstkarätigen inneren Mannschaft von fünf bis zehn Leuten, deren Zusammenspiel wiederum nur ein Einzelner im Detail lenkt, hat mich ein Leben lang nicht losgelassen. Es ist für mich das wichtigste Rezept geblieben, wie man tatsächlich Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb erzielen kann.“

Komplexität ist das Thema bei VW. Einem Konzern, in dem es mehr Außenspiegel als Automodelle gibt. Rund 350 Varianten sind verzeichnet. Die Exemplare beim kleinsten VW-Modell, dem Up, sind auf die Last einer schweren Limousine ausgelegt. Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh ist kritisch: Zentralismus sei dort richtig, wo es um Baukästen für die Gleichteilestrategie des Konzerns gehe – also um technologische Steuerung. Aber Osterloh sieht auch die gesamte Struktur auf der Agenda. „So wie die Nutzfahrzeuge eine eigene Sparte bilden müssen, um optimal arbeiten zu können, müssen wir auch andere Potenziale bündeln.“