Recht

So erhalten Urlauber eine Preisminderung

Reisende müssen sofort aktiv werden. Geld zurück ist nur eine Möglichkeit

Das Vier-Sterne-Hotel entsprach nicht der Beschreibung, das Essen war schlecht. Das Zimmer musste mit Kakerlaken und Bettwanzen geteilt werden, und der Seeblick war durch Baukräne getrübt. Nachts war nicht das gleichmäßige Meeresrauschen zu hören, sondern die dröhnend laute Musik von der Diskothek gegenüber. Wer jedoch nach der Reise eine Preisminderung einfordern möchte, muss schon am Urlaubsort einige Regeln beachten.

Wer clever ist, wartet nicht bis nach der Reise, um sich Ausgleich für einen Reisemangel zu holen. Nicht immer lohnt ein Rechtsstreit um eine geringe Preisminderung. Da kann es deutlich mehr bringen, beim Veranstalter ein besseres Zimmer zu verlangen, wenn die Klimaanlage nervt, einen zusätzlich Ausflug gratis auszuhandeln, wenn das Entertainment-Programm am Pool nichts hergibt, oder sich um eine Beteiligung am Mietwagen zu bemühen, wenn das Meer weit entfernt ist.

Doch um gut verhandeln zu können, müssen Reisende ihre Ansprüche kennen – und sie sichern. Die erste und wichtigste Reaktion auf einen Mangel am Urlaubsort ist zu verlangen, dass er beseitigt wird. Und zwar bei der richtigen Person: „Beanstandungen sollte man sofort an den Reiseleiter vor Ort richten“, sagt Eva Klaar, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Berlin. Dabei sollten Urlauber die Mängel am besten bereits schriftlich benennen.

Um die Reklamationen der Reisemängel später auch beweisen zu können, sollte man bei allen Gesprächen mit der Reiseleitung einen Zeugen dabei haben. Am besten dazu geeignet ist ein anderer Hotelgast. Die Forderung gegenüber der Reiseleitung, den Mangel zu beseitigen – auf Juristendeutsch „Abhilfeverlangen“ genannt – ist Grundvoraussetzung dafür, dass der Urlauber später auch Geld zurückbekommt. Doch wer sich nicht bei der richtigen Person beschwert, hat später auch keinen Minderungsanspruch.

Die Maßstäbe an die „richtige Person“ sind dabei hoch. So entschied etwa das Landgericht Duisburg, dass es nicht ausreicht, lediglich die Mitarbeiter an der Hotelrezeption zu informieren (Az.: LG Duisburg 12 S 330/02). In dem vorliegenden Fall half den Urlaubern auch nicht, dass sie sich (pauschal) mit dem Argument wehrten, die Reiseleitung sei nicht greifbar gewesen. Nach Meinung der Richter hätten die Urlauber detailliert vortragen müssen, wann sie wie versucht haben, an die Reiseleitung heranzutreten.

Die Mängel müssen im Gespräch mit der Reiseleitung genau beschrieben werden. Außerdem sollte eine sofortige Behebung verlangt werden, heißt es etwa beim Rechtsschutzversicherer ARAG. Wenn eine Beseitigung objektiv nicht möglich ist, kann auch eine gleich- oder höherwertige Leistung erbracht werden. Im Fall des Baulärms kann das bedeuten, dass der Kunde ein größeres, besser ausgestattetes Zimmer auf einer ruhigeren Seite bekommt. Natürlich ohne draufzuzahlen – denn Abhilfe muss in jedem Fall kostenfrei sein. Auf das Angebot des Reiseveranstalters, den Mangel zu beseitigen, muss der Kunde eingehen. Zumindest, wenn es zumutbar ist.

Wer Mängel nach dem Urlaub anmelden will, muss einen Stichtag beachten: Die Ansprüche müssen einen Monat nach Rückkehr angemeldet werden, so Verbraucherschützerin Klaar.