Gründerzeit

Gehirn-Jogging-App hält Senioren fit

Jürgen Stüber über den Erfolg des Berliner Onlinedienstes Neuronation und digitale Gesundheits-Prävention

Wer körperlich und geistig aktiv ist, verringert das Risiko für kognitiven Abbau, von leichten Gedächtnisschwächen bis hin zur Demenz. Der Onlinedienst Neuronation bietet dazu ein Trainingsprogramm an, das immer mehr Nutzer findet. In Deutschland sind es bereits mehr als 350.000. Im Jahresvergleich ist das ein Anstieg um 300 Prozent.

Die Internet-Plattform für Gehirn-Jogging treibt nun die Internationalisierung voran. Die im April 2014 erschienene App für iPad und iPhone ist jetzt in acht Sprachen verfügbar. Das Berliner Start-up Synaptikon, das die Plattform entwickelt hat, bezeichnet die Internationalisierung als Meilenstein. Ziel sei die weltweite Marktführerschaft im Wachstumsmarkt Digital Brain Health.

Neuronation bietet mehr als 60 Übungen an, mit denen Nutzer ihr Gehirn trainieren können. Mit ihnen lassen sich das Kurzzeitgedächtnis, das Merken von Zahlen und Kopfrechnen trainieren. Neuronation bezeichnet seine Trainingsmethode als wirkungsvoller als Sudokus und Kreuzworträtsel. Mehrere Studien – unter anderem der Freien Universität Berlin – belegen das.

Gamification-Elemente sollen die Nutzer motivieren, immer wieder zu der App zurückzukehren. Fortschrittsanalysen und Social-Media-Komponenten unterstützen die Motivation. So können Übungen und erzielte Punkte mit Freunden in sozialen Netzen geteilt werden.

Die Plattform erlebte durch Werbung in Apples App-Store einen großen Aufschwung. Im Bereich der Education-Apps wurde Neuronation auf dem ersten Platz, in der Gesamtwertung auf dem zweiten Rang gelistet. Rankings als „Beste App“ gab es auch in mehreren internationalen App-Stores – unter anderem in Hongkong und Singapur. Digitale Angebote zur Förderung der Gehirnleistung sind gefragt. So hat das Start-up den Gesundheitspreis der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) gewonnen. Ferner gibt es eine Kooperation mit der Bremer Heimstiftung, Sie hat das Ziel, digitale Prävention bei Alzheimer-Kranken zu betreiben.

Das Interesse von Krankenkassen an digitalen Gesundsheitsangeboten steigt. Zurzeit verhandelt Neuronation mit einer überregionalen Krankenkasse – deren Name noch nicht genannt werden kann – über die Anerkennung der App als Versicherungsleistung in der Rehabilitation von Schlaganfall- und Burn-out-Patienten. Verlaufen diese Gespräche erfolgreich, könnte es bald Gehirntraining auf Rezept geben.

Die Basisversion mit fünf Übungen ist kostenfrei als App verfügbar. In der Webversion können bis zu 14 Übungen gratis absolviert werden. Darüber hinaus gibt es ein Abomodell. Ein Kursus mit 28Einheiten ist in der App für 4,49 Euro erhältlich.

Digital Brain Health gilt als Zukunftsmarkt. Im Jahr 2012 gab es ein Marktvolumen von 22 Millionen Euro. Im Jahr 2013 war es bereits auf 30 Millionen Euro gewachsen. Der globale Markt für Digital Brain Health soll laut Studien bis 2020 auf sechs Milliarden US-Dollar um das Sechsfache wachsen.

Gegründet von Rojahn Ahmadi, Ilya Shabanov und Jakob Futorjanski ging das Unternehmen im Jahr 2011 mit Neuronation als Online-Plattform ins Netz, Anfang 2014 folgten Apps für Android und iOS. Neben der XL Health AG und ihrem strategischen Partner, der CompuGroup Medical hat Synaptikon den Spiegel Verlag und Aeria Games-Geschäftsführer Pascal Zuta als Investoren gewonnen.

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