Zahlungsausfall

Argentinien muss weiter verhandeln

Experten erwarten aber eine baldige Lösung des Schuldenstreits

Auch nach dem Zahlungsausfall in dieser Woche muss Argentinien nach Anordnung eines New Yorker Richters mit Hedgefonds über eine Lösung des Schuldenstreits verhandeln. Die Verbindlichkeiten hätten sich weder aufgelöst noch verringert, sagte der Jurist Thomas Griesa am Freitag. Er kritisierte die Entscheidung der Regierung in Buenos Aires scharf, die Forderungen mehrerer Hedgefonds über 1,33 Milliarden Dollar zuzüglich Zinsen nicht zu erfüllen und als Folge in die Staatspleite zu rutschen.

Der Streit ist eine Spätfolge der argentinischen Staatspleite vor zwölf Jahren. Während in den folgenden Jahren die meisten Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichteten und ihre Anleihen umtauschten, kauften die Hedgefonds NML Capital, Elliott Management und Aurelius Capital Management die ursprünglich ausgegebenen Bonds mit einem kräftigen Abschlag und verlangen jetzt die komplette Auszahlung. Argentinien kann sich dies nach eigener Darstellung nicht leisten. Griesa sagte am Freitag, Argentinien und die Fonds hätten die Pflicht, weiter mit dem von ihm bestellten Schlichter Daniel Pollack zusammenzuarbeiten. Die Regierung in Buenos Aires hatte den Anwalt als „inkompetent“ bezeichnet.

Nach Auffassung Argentiniens ist keine Staatspleite eingetreten, weil das Land fällige Zinszahlungen auf ein Treuhandkonto überwiesen hatte. Griesa stoppte im Juni diese Zahlung und entschied, dass es zuerst eine Einigung mit den Hedgefonds geben müsse. Diese hat die Regierung mehrfach als „Aasgeier“ bezeichnet. Die Fonds bekommen trotz ihres Erfolges vor Gericht vorerst kein Geld. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner verglich deren Forderungen iam Donnerstag mit „Raketen in einem Krieg“, da „finanzielle Raketen ebenfalls töten“.

Die Finanzmärkte in Argentinien fingen sich am Freitag wieder. Der Aktienindex Merval verzeichnete im Mittagshandel ein Plus von 1,7 Prozent. Der Londoner Anleihenfondsmanager Ander Faergemann sagte, die Marktteilnehmer schätzten es als sehr wahrscheinlich ein, dass sich Argentinien in den kommenden sechs Monaten mit den Hedgefonds einige. Die drittgrößte lateinamerikanische Volkswirtschaft hinter Brasilien und Mexiko steckt in der Rezession. Zwar befürchtet kaum jemand in dem Land, dass wie 2002 Bürger die Banken stürmen. Doch die Regierung wird voraussichtlich die Importe beschränken und Kapitalkontrollen verschärfen, um ihre Devisenreserven zu schonen.