Standort

Spandauer Osram-Werk bleibt erhalten

Bezirksbürgermeister freut sich über „gutes Signal“. Bayern über Stellenabbau informiert

Das Spandauer Osram-Werk bleibt erhalten. Das erfuhr Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) in einem Telefonat mit Osram-Aufsichtsratsmitglied Alfred Haas. In dem Gespräch wurde versichert, dass keiner der deutschen Standorte des Leuchtmittelherstellers aufgegeben werden solle. Das Spandauer Werk solle vielmehr zum Kompetenzzentrum für Automobilbeleuchtung weiter ausgebaut werden. Dies wertete Kleebank als „gutes Signal“. Darüber hinaus forderte der Bezirksbürgermeister Osram auf, „sich die Vorteile der Hauptstadtregion als Forschungs- und Technologiestandort zu Nutze zu machen und weiter in den Spandauer und Berliner Standort zu investieren“.

Insgesamt sind rund 1300 Berliner bei dem Unternehmen beschäftigt. Sie sollen in der kommenden Woche erfahren, inwieweit sie von dem angekündigten Sparprogramm betroffen sind. In einer ersten Sparrunde hatte Osram im Berliner Werk in den vergangenen zwei Jahren rund 550 Stellen abgebaut. Über die Bedingungen hatten Vorstand und Gesamtbetriebsrat damals einen Sozialplan vereinbart. Osram-Vorstandschef Wolfgang Dehen hatte angekündigt, bis zum Jahr 2017 deutschlandweit nun noch einmal 1700 Stellen zu streichen.

Die Münchner Mitarbeiter des Leuchtmittelherstellers sind unterdessen am Freitag über den bevorstehenden Stellenabbau informiert worden. „Es hat am Vormittag eine Mitarbeiterversammlung gegeben“, sagte ein Konzernsprecher. Im Laufe des Tages sollte es weitere Veranstaltungen an den Standtorten Garching und Eichstätt geben. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks sind in München und Eichstätt jeweils 300 Mitarbeiter von dem Jobabbau in Deutschland betroffen. Ein Osram-Sprecher wollte die Zahlen allerdings nicht kommentieren. Derzeit sind in München und Garching rund 1400 Menschen beschäftigt, in Eichstätt rund 700. Bis 2017 will Osram weltweit rund 7800 Arbeitsplätze streichen.

Kritik von der IG Metall

Die neuerlichen Kürzungen treffen vor allem die Herstellung traditioneller Leuchtmittel und die Verwaltung. Dass am Standort Eichstätt viele Mitarbeiter betroffen sind, liegt unter anderem daran, dass nach Plänen der EU bis Herbst 2016 auch Halogenlampen großteils vom Markt verschwinden sollen. Sie sehen ähnlich aus wie klassische Glühbirnen und werden deshalb seit dem Verbot der traditionellen Birnen gerne ersatzweise eingesetzt, haben aber eine vergleichbar schlechte Energiebilanz. In Deutschland sind von den Einschnitten nach Unternehmensangaben vor allem München, Augsburg, Eichstätt und Berlin betroffen – in welchem Umfang, sagt Osram bislang nicht. Da vor allem in Augsburg und Eichstätt die traditionelle Beleuchtung wie Leuchtstoff- und Halogenlampen einen Großteil der Produktion ausmacht, müssen die Beschäftigten dort am meisten um ihre Jobs bangen. Wie alle Lichttechnikanbieter ist auch Osram vom rasanten Wandel in der Branche hin zu moderner Leuchtdioden-Technik (LED) betroffen.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Arno Hager, hatte der Geschäftsführung eine verfehlte Unternehmenspolitik vorgeworfen. Um den Übergang hin zu modernen LED zu gestalten, hätte Osram im Berliner Werk auch in eine kostengünstigere Produktion etwa der leistungsstarken Hochdruckentladungslampen investieren müssen, die Industriehallen, Sportstätten und öffentliche Plätze beleuchten. Dies sei versäumt worden.