Entsorgung

Das System Gelbe Tonne steht vor dem Kollaps

Deutschland droht ein Müllproblem. Ab August könnten die gelben Tonnen nicht mehr abgeholt werden.

Davor warnt der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Grund dafür ist ein anhaltender Streit unter den dualen Systemen, die das privatwirtschaftliche Sammelsystem mit grünem Punkt und gelber Tonne organisieren. Die insgesamt zehn Anbieter konnten sich für das laufende dritte Quartal bislang nicht über die Verteilung der Kosten verständigen. Nach dieser Aufschlüsselung aber werden die Entsorger bezahlt, die den Müll bei den Verbrauchern abholen. „Wenn es bis zum 31. Juli keine Einigung gibt, besteht das Risiko, dass die Entsorgungsunternehmen nicht mehr hundertprozentig bezahlt werden“, sagt BDE-Präsident Peter Kurth. Und das könne eine Kettenreaktion zur Folge haben.

Die Systembetreiber müssen eine Finanzierungslücke in Höhe von 52,9 Millionen Euro schließen, weil Handel und Industrie vielfach nicht mehr genug für die Verpackungsentsorgung bezahlen. Statt reguläre Lizenzgebühren zu entrichten, setzen die Unternehmen unter anderem auf die sogenannte Eigenrücknahme. Das bedeutet, dass der Verpackungsmüll nicht in der gelben Tonne landet, sondern zurück ins Geschäft gebracht wird. Rund zehn Prozent der Müllmenge werden mittlerweile so entsorgt. Tatsächlich schätzen Branchenexperten den wahren Wert der Eigenrücknahme jedoch auf allenfalls ein Prozent, also gerade mal ein Zehntel der gemeldeten Menge. „Letztlich landet der Müll nicht im Geschäft, sondern im Hausmüll“, sagt ein Beteiligter. Die Entsorgung dort sei dann aber nicht mehr von den Lieferanten bezahlt. Angesichts dieser Fehlentwicklung könnte nun das komplette System gelbe Tonne zusammenzubrechen.