Kostensenkungen

Commerzbank lagert Hunderte Stellen zu Billig-Töchtern aus

Die Commerzbank verschärft ihren Sparkurs: Der Vorstand lote derzeit neue Möglichkeiten zu Kostensenkungen aus.

„Die Führungsetage schaut sich alle Bereiche an, wo sie noch an der Kostenschraube drehen kann“, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. „Das wird zur Daueraufgabe.“ Erstes konkretes Ergebnis ist die Auslagerung eines Teils der Finanzbuchhaltung, die dann von Billig-Töchtern in Ostdeutschland oder Polen erledigt werden soll. In Berlin, Frankfurt und Duisburg fallen dadurch 450 Stellen weg, heißt es aus Finanzkreisen. Die Bank bestätigte nur Gespräche mit dem Betriebsrat über Umstrukturierungen im Finanz-Bereich.

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi sammeln derzeit Unterschriften gegen die Auslagerungspläne und den Stellenabbau. Erst im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank die Streichung von 5200 Arbeitsplätzen bis 2016 angekündigt, vor allem in der Privatkunden-Sparte. Das ist rund ein Zehntel der Belegschaft. „Das Projekt ,Strategie 2016’ ist noch nicht beendet, und schon stehen weitere drastische Sparmaßnahmen an“, heißt es in einer Resolution der Arbeitnehmervertreter, die in der vergangenen Woche auf einer Betriebsversammlung verteilt wurde.

Den 450 von der Verlagerung betroffenen Mitarbeitern seien keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten worden. Die Tochterfirmen ComTS in Sachsen-Anhalt und Thüringen und die polnische Ceri zahlen ihren Mitarbeitern deutlich weniger, als die Commerzbank nach dem Bank-Tarifvertrag bietet. Seit Freitag wird darüber mit dem Betriebsrat verhandelt. „Wenn die Commerzbank Tarifflucht betreibt, hat sie mit unserem Widerstand zu rechnen“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Mark Roach, der auch im Aufsichtsrat der Bank sitzt.

Auch bei der Commerzbank-Tochter Hypothekenbank Frankfurt fallen Stellen weg. Alle sechs Niederlassungen im Inland sollen im September 2015 geschlossen werden, wie die Bank am Montag bestätigte. Davon sind laut „Handelsblatt“ 100 Stellen betroffen. Der Abbau der Immobilienkredite sei schneller vorangekommen, hieß es in dem Bericht. Die Hypothekenbank Frankfurt – die ehemalige Eurohypo – soll abgewickelt werden.