Unternehmen

Karstadt-Beschäftigte müssen warten

Die neue Spitze des Warenhauskonzerns braucht mehr Zeit für das Sanierungskonzept

Die Mitarbeiter des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt müssen sich weiter in Geduld üben. Beschlüsse über die Sanierung und über mögliche Standortschließungen wird der Aufsichtsrat frühestens am 21. August fassen. Dann erst wird das Kontrollgremium zusammenkommen – statt wie ursprünglich geplant in der kommenden Woche. Dies teilten Finanzchef Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz der Belegschaft in einem Brief mit.

„Uns ist es sehr wichtig, für eine fundierte und verlässliche Konzepterstellung und Planung ausreichend Zeit zu finden“, erklärten die beiden Manager, die den Kaufhof-Konkurrenten seit dem abrupten Weggang Anfang Juli von Vorstandschefin Eva-Lotta Sjöstedt leiten. Sie gingen davon aus, dass Karstadt mit den erforderlichen Schritten eine Zukunftschance habe.

Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte zuvor in einem Interview „schmerzhafte Einschnitte“ angekündigt. Alles müsse auf den Prüfstand gestellt werden. Nach Angaben des Chefkontrolleurs macht sich das Unternehmen „berechtigte Sorgen um die Profitabilität“ von mehr als 20 Warenhäusern. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef ist, begrüßte die Verschiebung der Sitzung. Es müssten detaillierte Zahlen, Informationen und Pläne auf den Tisch, um über die Zukunft von Karstadt und seiner Mitarbeiter überhaupt vernünftig beraten zu können, sagte er. „Ich brauche Planungssicherheit.“ Er wolle Klarheit darüber, was hinter den Sanierungsplänen stecke. „Es geht um Arbeitsplätze. Das ist ein ernstes Thema. Da ist es mir lieber, ich habe eine fundierte Grundlage“, sagte Patzelt, der mit der Geschäftsführung über eine Standort- und Beschäftigungssicherung verhandeln will.

Karstadt-Chefin Sjöstedt hatte Anfang Juli nach nur 133 Tagen im Amt das Handtuch geworfen. Sie hatte ihren überraschenden Abgang damit begründet, dass sie ihre Sanierungspläne mangels finanzieller Unterstützung durch den Eigentümer Nicolas Berggruen nicht umsetzen könne.

Seitdem geht die Angst um bei den Beschäftigten. Äußerungen von Aufsichtsratschef Stephan Fanderl über „schmerzhafte Einschnitte“ und die mögliche Schließung jeder vierten Filiale befeuerten diese zusätzlich. Ein Sanierungskonzept oder gar eine Schließungsliste liegt den Arbeitnehmervertretern nach deren Aussage allerdings bislang nicht vor.

De Berliner Star-Investor Berggruen hatte das Traditionshaus 2010 aus der Insolvenz für einen symbolischen Euro übernommen und Mehrheit an den Luxushäusern, wie dem Berliner KaDeWe und den Sportgeschäften bereits an den österreichischen Investor Rene Benko veräußert. Dass der einst als Retter bejubelte Sohn des verstorbenen Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen nun Geld für die Sanierung in die Hand nimmt, glauben Experten und Insider nicht.

Handelsspezialist Thomas Roeb von der Universität Bonn bezweifelt aber, dass unter den derzeitigen Umständen eine Rettung des Kaufhof-Konkurrenten möglich ist. „Die Karstadt-Sanierung mit der Schließung von Häusern ist außerhalb einer Insolvenz nicht möglich, es sei denn, man nimmt viel Geld in die Hand“, betonte er. Das hätten die Eigentümer aber schon bei Eva-Lotta Sjöstedt nicht getan. „In diesen Strukturen ist für Karstadt aber ein Überleben kaum möglich.“