Crowdfunding

Gründer erfinden Kaffeemaschine neu

Berliner Start-up Bonaverde sammelt schnell 500.000 Euro im Internet für ein Gerät, das röstet, mahlt und brüht

Hans Stier hat die Kaffeemaschine neu erfunden: Ein Knopfdruck genügt und der Automat röstet, mahlt und brüht die Bohnen. Jetzt sammelt Stier im Internet Kapital für das Projekt. Es dauerte nicht einmal 24 Stunden, bis er die geplanten 500.000 Euro beisammen hatte. Denn Anleger sind wild auf Start-up-Beteiligungen, die auf Crowdinvesting-Plattformen im Internet wie Seedmatch angeboten werden. Jetzt hat er das Ziel verdoppelt und will eine Million Euro einsammeln.

Stier tüftelt seit 2011 an diesem Konzept und baute mehr als 130 Prototypen. Im November 2013 startete er eine erste Crowdfunding-Runde auf der Plattform Kickstarter. Er erreichte das Ziel, 135.000 Dollar (100.000 Euro) einzusammeln, binnen elf Stunden. Am Ende der Kampagne hatte er 700.000 Dollar (517.000 Euro). Eine weitere Kampagne auf der Plattform Indiegogo spielte 125.000 Dollar (92.000 Euro) ein. Danach hatte das Unternehmen 3000 Bestellungen für den Automaten, der nach Markteinführung 300 Euro kosten soll, im Auftragsbuch.

Prototyp ist bald fertig

Inzwischen haben die Berliner einen Hersteller in China gefunden. Der finale Prototyp wird in drei Wochen erwartet. Anschließend werden die Beta-Tester die ersten Maschinen erhalten und bis zur geplanten Markteinführung im Dezember 2014 prüfen. Diese wird in den USA erfolgen. Später will das Unternehmen dann auch auf den deutschen Markt gehen. „Dort ist unsere Community am stärksten“, sagt Nathalie Sonne, die Sprecherin des Unternehmens. In den USA habe Filterkaffee einen Marktanteil von 75 Prozent. Der Espresso-Boom in Deutschland ficht das Unternehmen nicht an. Nathalie Sonne erwartet eine dritte Welle des Kaffeekonsums – die Renaissance des Filterkaffees. Der Trend gehe eindeutig in diese Richtung, sagt sie.

Die Idee des Universalautomaten, der brüht und röstet, kombinierte Stier mit der Idee, ein politisch korrektes Händlernetzwerk aufzubauen. Damit will er Bauern und Verbraucher zusammenbringen. Die Kaffee-Landwirte erhalten faire Preise, die Verbraucher erwerben die Bohnen ohne Zwischenhändler – also schneller und preiswerter. Als Preisvorteil fällt auch ins Gewicht, dass für den Handel mit ungerösteten Bohnen, die als Rohstoff gelten, keine Kaffeesteuer anfällt.

Die Crowdinvesting-Plattform Seedmatch bricht in letzter Zeit immer wieder Rekorde: Zuletzt sammelte das Unternehmen Protonet aus Hamburg, das einen Server für kleine und mittlere Unternehmen erfunden hat, innerhalb von fünf Tagen drei Millionen Euro ein und übertraf das ursprüngliche Finanzierungsziel mit 100 Prozent.

Eine ähnlich erfolgreiche Kampagne, allerdings auf der US-Plattform Indiegogo, schloss das Berliner Unternehmen Panono im Januar 2014 ab, das eine Panaroma-Wurfkamera erfunden hat: 900.000 Dollar (666.000 Euro) wollten die Berliner einsammeln, 1,25 Millionen (887.000 Euro) waren es am Ende. Das Unternehmen erwartet im August 2014 den neuen Prototypen mit den hochauflösenden Kameras (insgesamt 108 Megapixel) und arbeitet zur Zeit an einer neuen App, mit der die Bilder bearbeitet und in der Cloud gespeichert werden können. Im Winter 2014/15 soll die Kamera auf den Markt kommen, sagt eine Sprecherin.

Crowdinvesting ist angesichts der Niedrigstzinsen auf dem Kapitalmarkt in Mode gekommen. Dabei ist diese Art der Investition riskant. Denn beim Crowdinvesting auf deutschen Plattformen wie Seedmatch oder Companisto schließen die Investoren und die Plattform in der Regel einen Vertrag über ein partiarisches Nachrangdarlehen mit einer vorgegebenen Laufzeit. Partiarisch bedeutet anteilig. Der Investor beteiligt sich entsprechend der Höhe seines Einsatzes am wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Nachrangdarlehen heißt, dass die Investoren bei einer Insolvenz erst dann ihr Geld wiedersehen, wenn vorrangige Gläubiger befriedet sind.

Ein Sonderfall des Crowdinvesting ist der Erwerb echter Unternehmensanteile, wie er beispielsweise von der Online-Plattform Bergfürst angeboten wird. Ob sich diese Form des Investments durchsetzen wird, ist fraglich. Bergfürst hat seit dem Onlinestart vor zwei Jahren nur eine Kampagne gelauncht, in der Aktien des Online-Heimausstatters Urbanara im Ausgabewert von drei Millionen Euro emittiert worden. Seitdem ist es still geworden bei Bergfürst – abgesehen von einer ersten Crowdinvesting-Kampagne für Immobilien.

Erfolgreicher scheint da die britisches Plattform Seedrs, die seit Mai auch in Deutschland aktiv ist. Sie hat nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung 2012 fast 100 Investitionsrunden mit einem Gesamtvolumen von knapp elf Millionen Euro abgeschlossen.

Außerhalb Europas ist das Crowdinvesting nicht gebräuchlich. So dürfen in den USA Unternehmensanteile nur von Institutionen gehandelt werden, die über eine Lizenz der Börsenaufsicht verfügen. Crowdinvesting-Plattformen haben diese in der Regel nicht. Durch den 2012 verabschiedeten Jobs-Act, der Start-ups die Kapitalbeschaffung erleichtern sollte, wurden diese Vorschriften etwas gelockt.

Teil der Erfolgsgeschichte

So bleibt Amerikanern nur das Crowdfunding – wie es von den Onlinediensten Kickstarter oder Indiegogo angeboten wird. Dabei steht die Projektfinanzierung im Vordergrund. Es ist von der Idee ein wirtschaftspolitisches Statement: Man unterstützt, was man für unterstützenswert hält und wird damit Teil des Projekts, im Idealfall Teil der Erfolgsgeschichte – sei es ein Buchprojekt, ein Film, ein Produkt oder eine Software. Investoren bestellen hier ein Produkt vor und schaffen mit dieser Kaufzusage die Voraussetzungen für dessen Markteinführung.