Interview

„Man kann es nie allen recht machen“

Karl-H. Rolfes, Chef von Deutschlands größtem Raststättenbetreiber Tank & Rast, über hohe Preise und neue Kundenwünsche

Die Blechlawine rollt wieder auf Deutschlands Autobahnen. In sechs Bundesländern haben die Sommerferien bereits begonnen. Für die Raststätten entlang der klassischen Urlauberrouten beginnt nun die wichtigste Zeit des Jahres. Was die Autofahrer in den Pause auf Rasthöfen erwartet und warum sie dort so viel Geld für Kaffee, Schnitzel, Eis und Benzin bezahlen müssen, erklärt Karl-H. Rolfes, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Deutschlands größtem Raststättenbetreiber Tank & Rast.

Berliner Morgenpost:

Herr Rolfes, sind Sie ein Abzocker?

Karl-H. Rolfes:

Davon bin ich weit entfernt.

Finden Sie? Wer in Deutschland auf einer Raststätte tanken muss oder einfach nur einen Kaffee trinken will, muss ziemlich üppige Preisaufschläge zahlen.

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass nicht Tank & Rast die Preise festlegt. Das machen allein unsere Pächter und beim Kraftstoff die Mineralölgesellschaften. Abgesehen davon sind die Preise an den Raststätten aus meiner Sicht angemessen. Natürlich ist ein Schokoriegel dort teurer als im Supermarkt. Eine Raststätte hat aber auch 24 Stunden geöffnet, und das an 365 Tagen im Jahr. Da wird Ihnen auch an einem verregneten Sonntagabend im November geholfen, wenn praktisch niemand mehr auf der Autobahn unterwegs ist. Das dürfen Sie nicht vergessen. Dass sich daraus eine andere Kostenstruktur ergibt als bei einem Supermarkt, liegt auf der Hand.

Es gibt auch Stimmen, die enormen Renditedruck und umstrittene Vertragsklauseln bei den Pächtern für die hohen Preise verantwortlich machen.

Dass ein Kaufmann sein Leid klagt, ist nicht ungewöhnlich. Ich halte das aber für ungerechtfertigt. Die große Mehrzahl unserer Pächter ist zufrieden. Das zeigt sich schon daran, dass die Fluktuation im unteren einstelligen Prozentbereich liegt und damit sehr gering ist.

Zuletzt hat sich die Zahl der Pächter deutlich reduziert.

Die Zahl der Pächter haben wir über die Jahre schrittweise verringert. Es ist für die Pächter sinnvoller, wenn etwa Nord- und Südseite eines Standortes in einer Hand sind. So lässt sich gerade in der Hochsaison das Personal besser steuern. Die Gäste fahren schließlich zu Beginn ihres Urlaubs in die eine und am Ende wieder zurück in die andere Richtung. Da müssen die Pächter die Mitarbeiterzahl an Spitzenzeiten anpassen können. Heute haben wir rund 110 Pächter und uns dabei auf die besten konzentriert.

Wie gut sind deutsche Raststätten? Haben Sie Angst vor dem nächsten Service-Test?

Warum sollten wir Angst haben? Bei europaweiten Vergleichen standen unsere Anlagen zuletzt regelmäßig an der Spitze. Das war sicherlich nicht immer so, das will ich nicht verhehlen. Service, Qualität und Hygiene haben sich in den vergangenen Jahren aber kontinuierlich verbessert. Seit der Privatisierung von Tank & Rast 1998 haben wir eine Milliarde Euro investiert – in Modernisierungen zum Beispiel, in neue Gebäude und in moderne Gastronomiekonzepte. Und wir investieren kontinuierlich in die weitere Verbesserung der Servicebetriebe.

Für was konkret?

Zum einen gibt es noch einige Standorte, die modernisiert werden müssen. Das ist ein geringer Prozentsatz der Raststätten in unserem bundesweiten Netz. Zum anderen eröffnen wir im Schnitt zwei, drei neue Standorte pro Jahr. Bedarf besteht vor allem entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, also dort, wo zuletzt neue Autobahnen gebaut wurden.

Was machen Sie bei Neubauten anders, wie sieht die Raststätte der Zukunft aus?

Es gibt nicht die eine Raststätte der Zukunft. Entscheidend ist immer, was der Kunde will. Und das verändert sich mittlerweile immer schneller. Früher dauerte ein Gastronomiezyklus rund sieben Jahre. Heute ist schon alle drei Jahre alles anders. Darauf müssen wir reagieren – und das tun wir. In der Gastronomie, aber auch mit Services wie kontaktlosem Bezahlen. Man kann es sicherlich nie allen recht machen. Aber ich denke, dass wir mit unseren Konzepten die Bedürfnisse unserer Kunden treffen.

Was will der Kunde denn?

Die klassische Gastronomie ist in den Raststätten heute weniger gefragt. Allein mit der früher üblichen Auslage, in der das Essen warm gehalten wird, kommen Sie heute nicht mehr weit. Viele Kunden erwarten Snacks, Frische und bekannte Systemgastronomiekonzepte. Also stellen wir unsere Rasthöfe Schritt für Schritt um. Paninis zum Beispiel sind heute nicht mehr wegzudenken, genauso wie Kaffeebars. Mit „EssBar“ haben wir ein neues Konzept etabliert. Dort gibt es klassisches deutsches Fastfood frisch zubereitet und modern interpretiert. Und kürzlich haben wir mit Serways Restaurant ein Konzept gestartet, bei dem sich die Kunden ihr Essen auf großen Bildschirmen aussuchen, anschließend bestellen und bezahlen – und erst dann wird gekocht. Der Gast bekommt dann einen Pager, der ihm ein Zeichen gibt, wenn das Essen fertig ist.

Da kommt einem sofort eine Systemgastronomiekette in den Sinn.

Das ist auch durchaus gewollt. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Aber wir müssen uns auf bestimmte Trends einstellen. Die Umsetzung kann dann entweder in Eigenregie passieren oder wir arbeiten direkt mit Gastronomiepartnern zusammen. Mittlerweile haben wir über 125 Franchise-Module in unseren Raststätten, zum Beispiel von Burger King, McDonalds und Nordsee. Gleichzeitig testen wir immer neue Konzepte, aktuell zum Beispiel mit CoffeeFellows und mit Bobby&Fritz. Wir sind offen für neue Partnerschaften.

Rastplatz-Toiletten sind ein Aufreger-Thema angesichts der Preiserhöhung bei Sanifair. Der Gang aufs Klo kostet seither 70 statt 50 Cent.

Wir mussten den Preis bei Sanifair leicht anheben, um den hohen Qualitätsstandard aufrechterhalten zu können. Und ich denke, das haben die Kunden verstanden. Sie bekommen im Gegenzug ja auch saubere Toiletten. Erinnern Sie sich mal an die Zeit vor Sanifair.

Wie oft sind Sie eigentlich selbst auf den Raststätten?

Unentwegt – zum einen beruflich, zum anderen aber auch privat. Bei jeder Fahrt über die Autobahn müssen wir ein paar Stopps einlegen. Meine Familie nervt das mittlerweile bis zur Weißglut. Aber ich kann nicht anders, das ist professionelles Interesse. Ich will einfach wissen, was da draußen los ist, wie es in den Restaurants aussieht, ob die Kunden sich gut orientieren, wie sie sich verhalten und ob sie gut betreut sind.