Handel

Staatsanwalt ermittelt bei Praktiker

Chefs der Baumärkte sollen die Insolvenz verschleppt haben. Konkurrent Obi ist Profiteur der Pleite

Ein Jahr nach der Pleite der Baumarktkette Praktiker ist das Aus des Unternehmens nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörden in Saarbrücken und Hamburg gingen dem Verdacht der Insolvenzverschleppung nach, sagten die Sprecher beider Staatsanwaltschaften am Donnerstag. Wie zeitintensiv dies sein kann, zeigt der Fall Schlecker: In Stuttgart arbeiten die Ermittler seit zwei Jahren den Niedergang des Drogerie-Imperiums auf.

Im Auftrag der Saarbrücker Staatsanwaltschaft ist derzeit ein Sachverständiger damit beschäftigt, ein Gutachten zu Praktiker zu erstellen. Er müsse erst einmal herausfinden, ab welchem Zeitpunkt Praktiker reif war für die Insolvenz, erklärte der Sprecher der Saarbrücker Behörde. Danach erst lasse sich die Frage beantworten, ob die zu jenem Zeitpunkt zuständige Konzernführung es versäumt habe, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen. Wann das Gutachten fertig sei, sei noch nicht ganz abzusehen. „Die Staatsanwaltschaft erhofft sich noch im laufenden Jahr erste Erkenntnisse“, sagte der Sprecher.

Im Fokus der Untersuchung stehen derzeit fünf ehemalige Vorstände der Baumarktkette. Die Ermittler führten sie derzeit aber nur deshalb als namentlich Beschuldigte, weil gegen sie Anzeigen vorlägen, sagte der Sprecher weiter. In den letzten beiden Jahren vor der Pleite hatte es bei Praktiker mehrere Wechsel an der Spitze gegeben. Wer also letztlich für eine mögliche Verschleppung der Insolvenz verantwortlich zu machen wäre, hängt davon ab, welchen Zeitpunkt der Gutachter für die Insolvenzreife ermittelt.

400 Filialen geschlossen

Neben dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung gab es den Angaben zufolge auch eine Anzeige wegen Untreue. Der Vorwurf stehe im Zusammenhang mit Beraterverträgen, die kurz vor der Pleite abgeschlossen worden sein sollen. Hinweise, dass wirklich Geld abgezweigt wurde, haben die Ermittler demnach aber bisher nicht gefunden.

Genau ein Jahr ist es her, dass der Baumarkt-Riese Praktiker Insolvenz angemeldet hatte, in deren Strudel auch die Tochter-Marke Max Bahr unterging. 15.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, fast 400 Filialen wurden dicht gemacht.

Profiteur des Praktiker-Aus ist der Handelskonzern Tengelmann mit der zur Gruppe gehörenden Baumarkt-Kette Obi. Etwa 20 Märkte des pleite gegangenen Wettbewerbers habe Obi übernommen, darunter drei im Raum München, berichtete Karl-Erivan Haub, Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter der Handelsgruppe. Damit konnte Obi eine Lücke zum Teil auffüllen, die durch einen Streit mit dem wichtigsten deutschen Franchise-Partner über Konditionen entstanden war. Insgesamt 18 Baumärkte in der Region um die bayerische Hauptstadt flaggten im Zuge der Auseinandersetzungen auf den Rivalen Hagebau um – für Obi ein Aderlass.

Obis Wachstum in jüngster Zeit fußt zudem auf einem besonders schwachen Vergleichszeitraum. Im ersten Halbjahr 2013 fror das Geschäft branchenweit in einem Endlos-Winter ein. Der März sei mit einem Umsatzeinbruch um 25 Prozent der schlimmste Monat gewesen, erinnert sich Haub mit Schaudern: „Wir konnten die Frühblüher nur noch in die Tonne kloppen“. Im gesamten restlichen Jahr konnten die Märkte diese Scharte nicht mehr auswetzen. Auch am Jahresende lag das Geschäft noch leicht unter dem Vorjahresniveau.

Insgesamt plane Obi 2014 knapp zwei Dutzend Neueröffnungen, darunter mehrere im Ausland. „Wir stehen auch zu unserem Expansionsland Russland“, sagte Haub.