Reform

Vatikan-Bank sperrt Tausende Konten – Präsident tritt zurück

Die skandalgeschüttelte Vatikanbank treibt ihre Aufräumarbeiten kräftig voran.

Das Institut sperrte Tausende Konten. Geschäftsbeziehungen, die nicht mehr den Kriterien des Hauses entsprechen, sollen aufgegeben werden. Der deutsche Finanzberater Ernst von Freyberg muss nach knapp eineinhalb Jahren an der Spitze der Bank gehen. Zudem soll die gesamte Führungsriege ausgewechselt werden. Der französische Unternehmensberater Jean-Baptiste de Franssu soll als Präsident die Nachfolge von Freyberg antreten.

Aufgabe der Bank mit dem offiziellen Namen „Institut für religiöse Werke“ ist die Verwaltung des Geldes der Kirche, von Wohltätigkeitsorganisationen, Ordensgemeinschaften und Angestellten des Vatikans. Die Bank, die 15.500 Kunden mit teils mehreren Konten hat, war unter anderem in den Verdacht der Geldwäsche geraten. Im Rahmen einer Überprüfung sämtlicher Kunden wurden etwa 3000 Konten geschlossen. Darunter seien 2600 sogenannte „schlafende Konten“ gewesen, auf denen über einen längeren Zeitraum keine Transaktionen getätigt wurden. Knapp 400 weitere Konten hätten nicht den neuen Regeln des Finanzinstituts entsprochen. Überdies seien die Konten von rund 2000 Einzelkunden und Institutionen blockiert, da hier noch Angaben fehlten.

Unter der Führung von Bankchef Ernst von Freyberg, der im Februar 2013 noch vom früheren Papst Benedikt XVI. eingesetzt wurde, hatte das Geldhaus eine Initiative für mehr Transparenz gestartet. Er ließ mehrere Ermittlungen einleiten, setzte strengere Regeln im Kampf gegen Geldwäsche sowie den Ausstieg aus mehreren zweifelhaften Investitionen durch. Das kostete die Bank im vergangenen Jahr fast den kompletten Gewinn. Er fiel auf knapp drei Millionen Euro von 87 Millionen Euro im Jahr zuvor. Insgesamt flossen wegen der Schließung der Konten und der Reformen rund 400 Millionen Euro ab. Die Neustrukturierung trägt mittlerweile Früchte. Im ersten Halbjahr 2014 stieg der Gewinn wieder auf rund 57 Millionen Euro.

Insidern zufolge soll die Bank deutlich zusammengestutzt werden. Die Details zu der Reform sollen am Mittwoch bekannt gegeben werden. Die Investment-Aktivitäten würden im Zuge der Neustrukturierung abgegeben. Erwartet wird auch, dass das Vermögen des Heiligen Stuhls künftig von einer neu gegründeten Abteilung verwaltet wird.