Ungewissheit

Das Schweigen der Männer

Karstadt-Inhaber Benko und Berggruen lassen Zukunft der Kaufhaus-Kette offen

Karstadt verkauft auch junge Mode, etwa T-Shirts mit mehr oder weniger lustigen Sprüchen drauf. „Klappe halten“, steht beispielsweise auf einem. Es scheint am Tag nach dem Schock des Rücktritts von Kurzzeit-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt das Motto der beiden wichtigsten Figuren in diesem traurigen Spiel zu sein, der Karstadt-Inhaber Nicolas Berggruen und René Benko. „Die Eigentümer von Karstadt, vor allem Herr Berggruen, aber auch Herr Benko, müssen endlich ihre Pläne für die Zukunft von Karstadt auf den Tisch legen“, hatte Stefanie Nutzenberger vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi am Montag gefordert.

Doch die Chancen, dass der deutsch-amerikanische Großinvestor oder der österreichische Immobilien-Tycoon bald ihre Karten offen legen und die quälende Ungewissheit bei den Mitarbeitern beenden, stehen denkbar schlecht. „Da herrscht im Moment totale Funkstille“, sagte eine Verdi-Sprecherin am Dienstag. „Wir haben weder von Herrn Berggruen noch von Herrn Benko irgendwas gehört.“

Berggruen hat sich offenbar entschieden, so lange wie möglich von seinem cleveren Deal vor vier Jahren zu profitieren und eine Vergütung von jährlich neun bis zwölf Millionen Euro für die Nutzung der Karstadt-Markenrechte zu kassieren. Den Preis von fünf Millionen Euro hatte der 52-jährige Investor rechnerisch nach knapp einem halben Jahr wieder raus, während das Investitionsbudget spärlich blieb. Für eine grundlegende Renovierung der 83 Häuser der Karstadt Warenhaus GmbH reichte es bei Weitem nicht.

Benko dagegen ist daran gelegen, die Substanz zu erhalten und wenn möglich zu verbessern. Spezialität des 37-Jährigen aus Innsbruck ist es, notleidende Einzelhandelsimmobilien wieder zum Leben zu erwecken. Vorbild ist das Innsbrucker Kaufhaus Tyrol. Die Immobilie galt über Jahre als veraltet, perspektivlos, mit ungünstigem Standort geschlagen. Benko machte daraus sein Gesellenstück – ein Einkaufszentrum mit 50 Mietern von Deichmann bis WMF. Überträgt Benko sein Geschäftsmodell auf Karstadt, würde das Ergebnis wohl ähnlich ausfallen: Die Warenhäuser würden zu Shopping-Centern umgebaut, in denen auch Supermärkte, Fitnesscenter oder Friseure für Kundenzustrom sorgen. Der Prozess ist längst im Gange. Im Freiburger Karstadt hat beispielsweise Ende vergangenen Jahres ein Rewe-Markt eröffnet, das Stuttgarter Haus wird komplett zu einem Einkaufszentrum umgebaut. Die besten Teile des Kaufhauskonzerns hat Benko sich bereits gesichert. Drei Edel-Häuser – das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Oberpollinger in München – und die gut laufenden Sportfilialen teilt er sich mit dem israelischen Partner Beny Steinmetz. Zusammen kontrollieren sie gut 75 Prozent der beiden Firmen, dazu 21 Warenhausimmobilien.

Im Gegensatz zu Finanzmann Berggruen investiert Benkos Signa Holding erhebliche Mittel in die Gebäude. Bis 2015 sind Investitionen von 300 Millionen Euro angekündigt worden. Die Hälfte davon dient dazu, die drei Nobel-Häuser möglichst edel auszustatten. Als Maßstab dienen Konsumtempel wie Harrods in London, Rinascente in Mailand oder das Jelmoli in Zürich. Weitere 150 Millionen hat Signa für den Werterhalt der übrigen 83, durchweg wenig glamourösen Karstadt-Warenhäuser zugesagt. Die Hälfte dieser Summe ist bereits geflossen, die Auszahlung der übrigen 75 Millionen Euro steht aber erst für den Spätherbst an.

Noch liegt der Betrieb der klassischen Karstadt-Warenhäuser zu 75 Prozent bei Berggruen, doch Benko und Steinmetz verfügen über eine Option zur Übernahme für den Preis von einem Euro. Ob es dazu kommt – auch das zählt zu den offenen Fragen, auf die das Investorenduo eine Antwort verweigert.