Interview

Etihad erklärt zweifelhafte Geldspritze

Unternehmenschef James Hogan über Startkapital und die Lage bei Air Berlin

Am Mittwoch ist Air-Berlin-Großaktionär Etihad bei der angeschlagenen italienischen Fluglinie Alitalia eingestiegen. Woher kommt das Geld? Die europäische Konkurrenz beklagt immer wieder, dass die Königsfamilie aus dem Emirat Abu Dhabi die staatliche Fluggesellschaft Etihad finanziell unterstützt.

Berliner Morgenpost:

Kürzlich wurde öffentlich, dass Etihad Zugang zu geheimen Finanzhilfen von drei Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) hatte. Stimmt das?

James Hogan:

Es geht um ein Dokument aus dem Jahr 2009, das der Gesellschaft entwendet wurde. In jedem Geschäft gibt es verschiedene Szenarien, und diese haben nie das Licht der Welt erblickt und wurden dem Aktionär nie präsentiert. Wir hatten Startkapital von unserem Aktionär, der Regierung Abu Dhabis, und ich sehe kein Problem dabei. Die Finanzierung kam nicht von der königlichen Familie und wird zu gegebener Zeit zurückgezahlt.

Sie sagen, der Bericht sei falsch?

Der Bericht erweckte den Eindruck, dass wir subventioniert werden. Das stimmt nicht. Heute schließt unser Portfolio fast 70 lokale und internationale Finanzeinrichtungen ein, durch die wir fast neun Milliarden Dollar in erster Linie für die Flottenentwicklung beschaffen konnten. Und dies zu marktüblichen Geschäftsbedingungen. Das Wachstum wird sich mit der Expansion unserer Flotte fortsetzen.

Wird die Airline von der Königlichen Familie und dem Staat unterstützt?

Wir sind eine nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Königliche Familie hat ihre eigenen privaten Firmen und Investmentinteressen. Wir haben einen Geschäftsplan und eine Strategie, die wir unseren Anteilseignern präsentieren, die uns unterstützen.

Sie investieren in krisengeplagte Fluggesellschaften wie Darwin, Air Berlin, Air Serbia und Alitalia – ist das nicht riskant?

Die Leute sagen, dass es ähnlich der Hunter-Strategie sei, was wir machen ...

... der gescheiterten Strategie der Swissair ...

... aber dem ist nicht so. Die Hunter-Strategie führte dazu, dass sich die Angebote überschnitten und zu einem Überangebot führten. Wir führen Passagiere in Abu Dhabi zusammen. Unsere Beteiligung Aer Lingus verdient Geld, unsere Investition in Air Seychelles ebenso. Und Air Serbia wird dieses Jahr eine schwarze Null schreiben. Jet Airways in Indien wird restrukturiert, um die Gewinnzone zu erreichen. Wenn wir nicht daran glauben würden, dass diese Märkte funktionieren, wären wir nicht eingestiegen. Bevor wir bei Air Berlin einstiegen, waren wir in Deutschland kaum vertreten. Heute ist Deutschland zu einem unserer wichtigsten Märkte geworden.

Wann erreicht Air Berlin die Gewinnzone?

Wir sind überzeugt, dass sich das Geschäft in die richtige Richtung bewegt und der Turnaround geschafft werden kann. Mit der richtigen strategischen Vision und Durchführung glauben wir, dass Air Berlin ein nachhaltig gewinnbringendes Geschäft sein kann.

Das Interview erschien in der Schweizer Handelszeitung.