Unternehmen

Mit Macht an die Börse

Rocket Internet hat 75 Start-ups mit 15.000 Mitarbeitern gegründet, jetzt sollen die ersten Firmen zu Geld gemacht werden

Der Berliner Internetinvestor Rocket Internet der Brüder Samwer prüft für mehr Firmen der Gruppe Börsengänge als bislang bekannt. Neben Rocket Internet werden Platzierungen für das Einrichtungshaus Westwing und den Lebensmittelversender HelloFresh erwogen. Das berichtet das „Manager Magazin“. Ein Rocket-Internet-Sprecher wollte das nicht kommentieren.

Die Samwers und ihre Partner wollen das derzeit gute Umfeld für Technologie-Börsengänge nutzen, um nach Jahren der Investitionen Kasse zu machen. Vor allem der Hauptfinanzier, die schwedische Investmentgesellschaft Kinnevik, die mehr als eine Milliarde Euro in Samwer-Unternehmen investiert hat, drängt auf Einnahmen.

Bislang war bekannt, dass die Samwers Rocket Internet selbst an die Börse in Frankfurt bringen wollen. Unter dem Dach der Start-up-Fabrik haben die Samwers in den vergangenen Jahren 75 Unternehmen mit 15.000 Beschäftigten weltweit gegründet. Rocket Internet ist neben Deutschland vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika, Südamerika, Asien und im Nahen Osten aktiv. Dazu gehören die Modehändler Lamoda (Russland) und Dafiti (Brasilien), der Lieferservice Foodpanda (weltweit) oder Auto- und Wohnungssuchportale in Südostasien.

Die Investmentbanken Berenberg, Morgan Stanley und JPMorgan wurden beauftragt, einen IPO der Start-up-Fabrik zu prüfen. Bis zu einer Milliarde Euro wollen die Samwers mit der Platzierung von bis zu einem Fünftel der Anteile erzielen. Damit würde Rocket Internet auf drei bis fünf Milliarden Euro bewertet. Es wäre der größte Börsengang eines deutschen Internetunternehmens seit vielen Jahren. An dem Erfolg würde auch der Wert der jungen deutschen Technologie-Gründerszene gemessen.

An Rocket Internet halten die Samwers 65 Prozent der Anteile, Kinnevik ist mit 24 Prozent beteiligt, der US-Wagnisfinanzierer Access Industries hält elf Prozent. Nach einem Börsengang wolle Oliver Samwer als Vorstandsvorsitzender an die Spitze des Unternehmens rücken, berichtet das „Manager Magazin“ weiter. Der öffentlichkeitsscheue Samwer hat zuletzt weltweit das für den Betrieb des Unternehmens nötige Geld eingeworben – zwei Milliarden Dollar in den vergangenen beiden Jahren.

Spekuliert wird seit Langem über den Börsengang des Berliner Modehändlers Zalando, an dem Kinnevik und die Samwers über ihr Investmentvehikel European Founders Fund maßgebliche Anteile halten. Zalando, das 2013 mehr als 1,8 Milliarden Euro Umsatz machte, wird auf bis zu fünf Milliarden Euro bewertet.

Parallel dazu prüft Rocket Internet offenbar, den Möbelhändler Westwing an die Börse zu bringen. Das Unternehmen hat 2012 einen Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro erzielt. Wagnisfinanzierer haben bislang insgesamt 150 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Für den Berliner Lebensmittelversender HelloFresh wiederum werde ein Börsengang in Australien geprüft, berichtet das „Manager Magazin“. Das 2011 gegründete HelloFresh verschickt im Abonnement Boxen mit Zutaten für drei bis fünf Mahlzeiten und den entsprechenden Rezepten. Erst am Mittwoch hatte HelloFresh bekannt gegeben, dass die Wagnisfinanzierer Insight Venture Partners und Phenomen VC 50 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert haben.