Verbraucher

Wann werden Fluggäste entschädigt?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu verspäteten Flügen

Es geht um 500 Euro als Ausgleich für verspätete Urlaubsflüge: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich am Donnerstag mit den Ansprüchen von Flugreisenden auf Entschädigung beschäftigt, deren Urlaubsflüge auf die Balearen mehr als drei Stunden Verspätung hatten. Ein Urteil wurde noch nicht gefällt. Die beklagte Fluggesellschaft spricht von höherer Gewalt wegen eines Generalstreiks in Griechenland – und die Branche hofft, dass Brüssel die ungeliebte Regelung für Ausgleichszahlungen bei verspäteten Flügen bald lockert. Damit stellen sich über den konkreten Rechtsstreit hinaus Fragen, wie es weiter geht mit den Fluggastrechten. Ein Überblick:

Ab welcher Verspätung können Passagiere eine Entschädigung verlangen?

Bei Flügen von Gesellschaften mit Sitz in der EU oder bei Start und Ziel in der EU gibt es dafür seit 2005 klare Regeln. Die Fluggastrechte-Verordnung der Europäischen Union staffelt den Anspruch der Passagiere nach Dauer der Verspätung und Flugstrecke.

In welcher Form muss die Entschädigung erfolgen?

Die Fluggesellschaft kann dies in Form von Mahlzeiten, Getränken oder falls erforderlich auch in Form einer Hotelübernachtung inklusive Transfer leisten. Bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden stehen dem Fluggast laut einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshof von 2009 aber bei einer Verspätung ab drei Stunden die gleichen Ausgleichszahlungen wie bei der Annullierung eines Fluges zu. Das sind je nach Länge der Flugstrecke 250 Euro (bis 1500 km), 400 Euro (bis 3500 km) oder 600 Euro (ab 3500 km).

Wann muss die Fluggesellschaft trotz Verspätung nicht zahlen?

Ein Unternehmen kann laut EuGH die Zahlung ablehnen, „wenn sie nachweisen können, dass die Annullierung oder die große Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären, also auf Umstände, die von dem Luftfahrtunternehmen tatsächlich nicht zu beherrschen sind“.

Wohin können sich Passagiere wenden, wenn sich die Fluggesellschaft bei Ansprüchen auf Entschädigung querstellt?

Die meisten Fluggesellschaften reagieren nach Einschätzung von Verbraucherschützern zögerlich, wenn sie mit Ansprüchen konfrontiert werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zu wenden.

Warum plant Brüssel eine Neufassung der Fluggastrechte-Verordnung?

Airlines haben die Regelung als übermäßige Belastung kritisiert. Jetzt wollen die EU-Verkehrsminister die Verordnung ändern. Künftig soll es nach einem Vorschlag der EU-Kommission erst ab einer Verspätung von fünf Stunden eine Entschädigung geben. Dies trage auch den „finanziellen Folgen für die Luftfahrtbranche Rechnung“, erklärte die Kommission. Eine Entscheidung im Ministerrat, in dem die europäischen Regierungen vertreten sind, steht noch aus; im Anschluss muss das Ergebnis zunächst dem Europa-Parlament vorgelegt werden. Die Verbraucherzentrale lehnt eine Änderung zulasten der Flugpassagiere ab. Die EU dürfe nicht „die Interessen der Unternehmen über die Belange der Verbraucher stellen“, so Geschäftsbereichsleiter Holger Krawinkel.