Fusion

Kaffee-Giganten teilen Europa auf

Internationale Röster schließen sich zusammen. Für Tchibo wird das zum Problem

Kein Kaffee wird so heiß getrunken, wie er gebrüht wird. Das gilt im Augenblick auch für den Preis der braunen Bohnen. Keine zwei Wochen ist es her, dass der deutsche Marktführer Tchibo das Pfund Kaffee um 70 Cent teurer gemacht hat. Doch vor Pfingsten bot Tchibo die Hausmarke „Feine Milde“ im Internet wieder einen Euro günstiger an: für nun 4,69 Euro pro Pfund. Ob der Sinneswandel schon etwas mit der größten Fusion im Kaffeegeschäft, nämlich dem geplanten Zusammenschluss von Mondelez und Master Blenders, zu tun hat, ist schwer zu beantworten. Doch Branchenkenner sind sich einig, dass der neue Riese am europäischen Kaffeemarkt die Preise noch gewaltig unter Druck setzen wird.

Offiziell geben sich die Lobbyisten gelassen. „Die Deutschen entdecken die Vielfalt des Kaffeetrinkens“, sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes. Zu dem Zusammenschluss der Kaffeesparte des US-Konzerns Mondelez mit dem holländischen Kaffeeröster Master Blenders möchte sich der Verband lieber nicht äußern. Mondelez vertreibt bekannte Marken wie Jacobs und Tassimo; Konkurrent Master Blenders steht für Namen wie Senseo oder Douwe Egberts. Der Röster Tchibo dürfte den neuen Kaffeegiganten in allen Ländern zu spüren bekommen: Der Hamburger Kaffeeröster ist die Nummer eins in Deutschland, stark vertreten ist das Unternehmen auch in Österreich, der Schweiz sowie Polen, Ungarn, Tschechien und der Türkei.

Kartellbehörden entscheiden

In den meisten dieser Länder reklamieren Mondelez und Master Blenders Positionen unter den Top drei für sich. Bei Tchibo heißt es dazu nur: „Wir beobachten den Markt sehr genau.“ Klar ist aber auch, dass die Kartellbehörden der EU-Kommission sich den Zusammenschluss ganz genau anschauen werden. „Für derartige Fusionen ist zunächst Brüssel zuständig“, sagt der Sprecher des Bundeskartellamtes. Erst in einem zweiten Schritt kann auch die Bonner Kartellbehörde mit einbezogen werden: Wenn es um Marktanteile in Deutschland geht. Mondelez ist mit der Bremer Traditionsmarke Jacobs die Nummer zwei in Deutschland, Master Blenders kommt hierzulande nur auf rund sechs Prozent Marktanteil. Zudem betreibt Mondelez in Berlin sogar die größte Kaffeerösterei Europas. Weitere Werke stehen in Bremen und Elmshorn.

Der Markt für Kaffee ist schon jetzt hart umkämpft. Der Zusammenschluss der beiden Konzerne wird das verstärken, sind sich Experten sicher. „Die Unternehmen ergänzen sich gigantisch“, sagt ein Branchenkenner. Rationalisierungen werden wohl nicht das beherrschende Thema: Mondelez ist mit seinen Hauptmarken Jacobs, Café Hag oder Tassimo stark vertreten bei Kaffeepulver sowie Kaffeekapseln für Mischgetränke. Master Blenders dagegen hat seine Stärken bei Kaffeepads der Marke Senseo und als Kaffeelieferant für die Gastronomie. Synergien dürften sich vor allem im Einkauf und in der Logistik ergeben. Master Blenders, die derzeitige Nummer drei der weltweiten Kaffeeverkäufer, will nach eigener Aussage mit Kaffeebohnen und Kaffeekapseln oder Pads zur Nummer zwei oder gar eins werden. Hinter der Firmengruppe steht die Milliardärsfamilie Reimann aus Deutschland.

Anders als in anderen Ländern Europas trifft der neue Kaffeeriese in Deutschland auf eine besondere Konkurrenzsituation. Denn neben Kaffeeröstern wie Tchibo, Melitta, Dallmayr oder Darboven gibt es eine feste Größe in dem Geschäft: Aldi betreibt gleich zwei eigene Röstereien. Kaffee ist für den Discounter extrem wichtig, es ist das einzige Nahrungsmittel, dass Aldi selbst herstellt. Das mag auch diesen Grund haben: Kaffeepackungen sind oftmals ein Lockmittel für den Einzelhandel. Kunden gehen wegen der Sonderangebote in die Läden und kaufen noch andere Waren ein.

Aldis große Marktmacht

Am Verkauf von Kaffeepulver verdient ein Händler wie Aldi wenig bis gar nichts, am Rest im Einkaufswagen schon. „Aldi kann mit Kaffee auch Verlust machen“, sagt ein Branchenkenner. Die eigene Rösterei ist für Aldis Marktmacht entscheidend: Diese Tochter kann Kaffee an Aldi zu jedem Preis verkaufen, den sie will. Konkurrenten dürfen solch einen Verkauf unter Einstandspreisen nicht machen, sonst rufen sie das Kartellamt auf den Plan.

Ob Kaffeemarken auf der Strecke bleiben werden, ist nicht ausgeschlossen. „Ein Kaffeeröster kann in wenigen Monaten Pleite gehen, wenn er Preissteigerungen beim Rohkaffee nicht weitergibt“, sagt Johannes Dengler, Geschäftsführer bei Dallmayr. So haben sich früher Kraft Food oder auch Master Blenders Kaffeemarken zugekauft.