Start-up

Strom von der Straße

US-Ingenieur will Fahrbahnen mit Solarzellen pflastern

Als er ein kleiner Junge war, verbrachte er seine Freizeit am liebsten mit seiner Carrera-Bahn. Die älteren Leser erinnern sich: Das war eine Spielzeug-Rennbahn, deren Elektroautos durch Leitungen in der Fahrspur angetrieben wurden. „Schon als Kind hatte ich die Idee, echte Straßen wie Carrera-Bahnen zu bauen“, sagt Scott Brusaw. Rund 50 Jahre später ist der Amerikaner seinem Ziel so nah wie nie zuvor.

Es klingt irrwitzig, was sich der Elektroingenieur und seine Frau Julie ausgedacht haben. Die beiden wollen das gesamte Straßennetz der USA mit Solaranlagen pflastern. So könnten sie dreimal mehr Strom erzeugen, als die USA im Moment verbrauchen, verspricht das Ehepaar.

Vor acht Jahren gründete das Paar aus Idaho sein Start-up Solar Roadways. Die Idee der beiden ist simpel, die Umsetzung dagegen kompliziert: Oberflächen, die der Sonne ausgesetzt sind, können Energie erzeugen. Diese Flächen müssen möglichst groß sein und nicht durch Bäume oder hohe Häuser überschattet werden. Auf weite Teile des Autobahn- und Landstraßennetzes trifft das zu. Auch heute fangen Straßen die Sonne auf. Sie erhitzt den Asphalt, die Wärme wird jedoch ungenutzt abgestrahlt. Wie wäre es aber, wenn Straßen diese Sonnenenergie auffangen und speichern könnten? Solar Roadways arbeitet an einer Technologie, Straßen mit Panzerglas zu pflastern, unter dem Solarzellen liegen. Zwei Prototypen hat die Firma schon entwickelt, die vom US-Verkehrsministerium mit insgesamt 850.000 Dollar (628.000 Euro) finanziert wurden. Die 3,7 mal elf Meter große Fläche kann nach Schätzung der Brusaws 110 Tonnen Gewicht aushalten.

Bislang haben die Brusaws und ihre Unterstützer die Prototypen per Hand hergestellt. Um in eine kostengünstigere, maschinelle Produktion einzusteigen, brauchen sie jetzt zusätzliches Kapital. Deshalb baten sie im April dieses Jahres Unterstützer im Internet, ihnen auf der Crowdfunding-Webseite Indiegogo Geld für ihr Projekt zu spenden. Eine Million Dollar wollten sie bis zum Ende der Aktion am 20. Juni zusammenbekommen. Bis heute haben sie aber schon zwei Millionen Dollar für ihre Pläne erhalten.

Damit ist Solar Roadways bereits vor Ablauf die erfolgreichste Kampagne, die Indiegogo jemals organisiert hat. Die große Resonanz ist zumindest zu einem Teil George Takei zu verdanken, der per Twitter für das Projekt warb. Der US-Schauspieler wurde bekannt durch seine Rolle als Sulu in der TV-Serie „Star Trek“ und hat mehr als acht Millionen Twitter-Abonnenten.

Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen. Im Internet finden sich neben Tausenden von Unterstützern auch sehr viele Spötter über die „Spinner aus Idaho“. Brusaw schreckt das nicht: „Hätte es zum Anfang des vorherigen Jahrhunderts schon das Internet gegeben, hätten die Brüder Wright vermutlich nie das Flugzeug erfunden, weil sie die Beleidigungen der Zweifler zu sehr verunsichert hätten.“