Medien

Axel Springer sichert sich Gründerszene

Konzern übernimmt Berliner Dienst für Technologie-Themen

Der Berliner Medienkonzern Axel Springer übernimmt den Technologie-Branchendienst Gründerszene. Wie die Unternehmen in Berlin mitteilten, kauft Springer 90 Prozent der Anteile am Gründerszene-Betreiber Vertical Media, die restlichen zehn Prozent behält Vertical-Media-Chef Mark Hoffmann. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Nach unbestätigten Angaben zahlt Axel Springer einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag für das Unternehmen. Die Berliner Morgenpost gehörte bis April dieses Jahres zu Axel Springer.

Gründerszene ist der größte, deutschsprachige Branchendienst für die Start-up-Szene. Die Seite zählt nach eigenen Angaben rund 700.000 Nutzer im Monat. Die Berichterstattung konzentriert sich vor allem auf die Berliner Internetunternehmen.

Entsprechend wird die Start-up-Branche die weitere Entwicklung mit Argusaugen beobachten. Axel Springer ist selbst einer der aktivsten Start-up-Investoren in Berlin. Der Medienkonzern betreibt mit IdeAS einen konzerneigenen Start-up-Inkubator, der regelmäßig neue Unternehmen an den Start bringt. Dazu ist Axel Springer maßgeblich am Firmenentwickler Project A des Hamburger Versandhausunternehmens Otto beteiligt. Der Konzern unterhält zudem den Axel Springer Plug And Play Accelerator, in dem Gründer auf den Marktstart ihres Unternehmens vorbereitet werden. An all diesen Unternehmen hält Axel Springer Anteile. Nicht zuletzt arbeitet Axel Springer Plug & Play mit Hubraum, dem Accelerator der Deutschen Telekom, zusammen.

Mit der Übernahme findet ein mehr als einjähriger Verhandlungspoker sein Ende. Der Start-up-Investor Team Europe, dem Vertical Media mehrheitlich gehörte, wollte den Branchendienst seit Anfang 2013 verkaufen. Zwar sollen mehrere Großverlage wie Holtzbrinck und der Spiegel-Verlag anfänglich Interesse gezeigt haben, das sei aber angesichts des von Team Europe aufgerufenen Preises schnell erloschen.

Springer will Gründerszene in die „Welt“-Gruppe integrieren, in der unter anderem die „Welt am Sonntag“ und das monatliche Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ erscheinen. Vertical-Media-Chef Hoffmann soll Geschäftsführer bleiben. Zu dem Unternehmen gehören auch der englischsprachige Dienst Venture Village und die Veranstaltungsserien Heureka, Spätschicht sowie die CEO Dinner. Insgesamt beschäftigt Vertical Media 30 feste und freie Mitarbeiter in Berlin. Hoffmann kündigte an, die Berichterstattung auszubauen: „Im Fokus steht der Ausbau unserer nationalen Präsenz.“

Ursprünglich gestartet ist Gründerszene 2005 als Blog des Team-Europe-Gründers Lukasz Gadowski. 2008 gründete Team Europe dann die Vertical Media, vor drei Jahren kam Venture Village dazu. Mit dem Verkauf zieht sich Gadowski aus dem Unternehmen komplett zurück, auch der Minderheitsgesellschafter PDV Inter-Media-Venture gibt alle seine Anteile an Axel Springer ab.