Infrastruktur

Viele schlechte Verbindungen

Der ADAC hat Brücken in Deutschland getestet – nur vier schneiden gut ab

Die Hüxtertorbrücke in Lübeck ist ein echtes Schmuckstück. 1899 wurde sie gebaut, um den Elbe-Lübeck-Kanal zu überspannen. Über eine Länge von 38 Metern spannen sich die markanten Stahlbögen. Die Brücke ist ein Eingangstor in den historischen Teil der Hansestadt. Sie hat sich mittlerweile 115 Jahre verdient gemacht, nun wird sie allerdings vom ADAC abgestraft. Im Brückentest des Automobilclubs steht sie als große Verliererin da. „Sehr mangelhaft“ lautet die Beurteilung der Tester. Drei andere Brücken erhielten auch so schlechte Noten.

Die Brücken sind die Sorgenkinder in Deutschlands Infrastrukturlandschaft. Viele wurden über Jahre hinweg unzureichend gewartet, weil die Politik das Geld lieber in Neubauten investierte. Die Folge: Die zunächst kleinen Schäden wurden immer größer.

Weckruf für die Politik

Milliarden Euro wären nötig, um Deutschlands Brücken wieder in Schuss zu bringen. Bis 2030 müssten Kommunen elf Milliarden in den Neubau investieren, ermittelte das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im vergangenen Jahr. Weitere fünf bis sechs Milliarden Euro seien für Sanierungen nötig. Die Studie sollte ein Weckruf für die Politik sein, die über Jahre hinweg nichts tat, während die Brücken in Deutschland bröckelten.

Der ADAC möchte mit dem Brückentest erneut den Handlungsbedarf aufzeigen. Der Automobilclub testete zwar nur 30 der insgesamt rund 67.000 kommunalen Brücken in Deutschland. Das Resultat ist trotzdem wenig schmeichelhaft für die beteiligten Städte und Gemeinden: Sieben Brücken fielen durch den Test – darunter die Brücke im Zug der Stadionstraße in Schwerin, die Bimbachbrücke in Erlangen und der Boxbergknoten in Heidelberg. Nur vier erhielten ein gutes Urteil.

Die Untersuchung des ADAC ist allerdings nicht repräsentativ. Städte und Gemeinden konnten selbst entscheiden, welche Brücken sie testen ließen. Das Resultat: Gewinner waren Städte, die besonders moderne Brücken anmeldeten. Die erst im Jahr 2000 errichtete Dreeschbrücke in Schwerin erhielt die besten Noten. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Erfurter Brücken.

Der ADAC dringt wie zahlreiche Verkehrsexperten darauf, ein ordentliches Sanierungsmanagement für Brücken einzuführen. „Jahrelang wurden viele kommunale Brücken weder ausreichend gewartet noch instand gesetzt“, steht im Testbericht. „Immer wieder müssen wichtige Verbindungswege wegen Brückenschäden gesperrt werden oder lassen sich nur eingeschränkt nutzen.“ Dass trotzdem nicht genügend Geld für die Sanierung zur Verfügung steht, hängt nicht allein damit zusammen, dass die Gemeinden zu wenig Mittel zur Verfügung haben. Oft setzen sie einfach auch nur die falschen Prioritäten. Für Politiker ist es einfach attraktiver, neue Strecken zu eröffnen, als die alten zu sanieren. Experten fordern schon länger ein Umdenken. Man lebe von der Substanz, wird geklagt.

Es ist wirtschaftlicher, schon jetzt Geld in die Sanierung zu investieren, als lange damit zu warten. „Schäden, die heute nicht behoben werden, breiten sich aus und werden noch teurer“, warnt der ADAC. „Je länger dieser Investitionsstau anhält, desto größer ist zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Brückensanierung nicht mehr lohnt, sondern ein Ersatzneubau notwendig wird“, heißt es weiter.

Die Sanierung wurde auch im Fall von Lübeck lange aufgeschoben. Gleich drei Brücken wurden mit dem Prädikat „sehr mangelhaft“ belegt. Die Stahlkonstruktion der Hüxtertorbrücke etwa ist von Rost zerfressen, tragende Teile sind verformt, es fehlen Steine im Mauerwerk. Auch der Fußgängerschutz ist unzureichend: Das Geländer ist niedrig, der Gehweg schmal. Die Mängelliste der Ingenieure, die im Auftrag des ADAC das Bauwerk untersuchten, ist lang.

„Der ADAC-Test bestätigt die Einschätzung der Kommunen, dass viele kommunale Brücken saniert oder erneuert werden müssen“, sagt Stephan Articus, Geschäftsführer des Deutschen Städtetages. Er fordert Bund und Länder auf, durch ein Sofortprogramm die Reparatur wichtiger kommunaler Brücken und anderer kommunaler Verkehrswege zu unterstützen.

Neuer Chef für „Motorwelt“

Unterdessen wurde bekannt, dass die ADAC-Mitgliedszeitschrift „Motorwelt“ nach dem Skandal um manipulierte Preisvergaben einen neuen Chefredakteur bekommt. Martin Kunz, derzeit Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, übernehme den Posten zum 1. Oktober, teilte der Verein mit. Der vorherige Chefredakteur und ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte wegen des Skandals um manipulierte Preisvergaben seine Posten räumen müssen. Kunz ist den ADAC-Angaben zufolge Diplomingenieur für physikalische Technik und war als Wissenschafts- und Technikjournalist tätig, unter anderem beim „Focus“ und der „Welt am Sonntag“.