Verbraucher

Jeder Zehnte spart am Essen

Trotz Aufschwungs ist bei vielen Deutschen das Geld knapp. Reisen, Reparaturen oder Anschaffungen sind nicht drin

Noch lange nicht jeder plant derzeit seinen Sommerurlaub. Denn trotz boomender Wirtschaft und Rekordbeschäftigung haben viele Deutsche schlicht nicht genug Geld für die Reise und die Hotel- oder Mietkosten. Daten des Statistischen Bundesamts zufolge sind es in Deutschland 22 Prozent, denen eine Urlaubsreise zu teuer ist. In anderen europäischen Ländern liegt diese Zahl jedoch noch deutlich höher – im Durchschnitt können sich europaweit fast 40 Prozent der Haushalte keinen Urlaub leisten.

Vor allem in Süd- und Osteuropa verzichten die Menschen auf Urlaub: In Griechenland etwa sind es 53 Prozent, in Spanien 47 Prozent und in Italien 51 Prozent, die nicht in die Ferien fahren. In Osteuropa können sich mehr als die Hälfte der Menschen keine Reise leisten. In Norwegen ist der Wert am niedrigsten: Dort können nur sechs Prozent keinen Urlaub bezahlen.

Neben dem Urlaub gibt es aber auch ganz alltägliche Dinge, die viele Menschen nicht bezahlen können. So konnte ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2012 unerwartete Ausgaben für Reparaturen oder größere Anschaffungen im Wert von mindestens 940 Euro nicht aus eigenen Finanzmitteln stemmen. 33,4 Prozent der Menschen hätten ihre eigene Lage entsprechend eingeschätzt, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Auch hier stellte sich heraus, dass unerwartet anfallende Ausgaben europaweit für mehr Menschen ein Problem darstellen: Im Durchschnitt konnten 40,2 Prozent der Bürger solche Ausgaben nicht allein finanziell bewältigen.

Keine vollwertigen Mahlzeiten

Auch eine vollwertige Ernährung ist den Statistikern zufolge nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit. 8,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland konnten es sich nicht leisten, mindestens jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Geflügel oder Fisch oder ein entsprechendes vegetarisches Essen einzunehmen. Im EU-Durchschnitt seien es elf Prozent gewesen, berichteten die Statistiker unter Berufung auf die EU-weit vergleichbare Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).

Unter der armutsgefährdeten Bevölkerung waren die finanziellen Schwierigkeiten den Statistikern zufolge besonders groß. Fast drei Viertel (73,2 Prozent) der Armutsgefährdeten in Deutschland konnten unerwartet auftretende Ausgaben finanziell nicht aus eigener Kraft bewältigen. Und ein Viertel der Armutsgefährdeten (24,8 Prozent) muss aus finanziellen Gründen immer häufiger auf vollwertige Mahlzeiten verzichten.

Die Unterschiede zur restlichen EU sind geringer, wenn man nur auf die Gruppe der Armutsgefährdeten blickt – zumindest bei der Bewältigung der unerwarteten Ausgaben und der Ernährung sind die Werte nahezu gleich. Allein beim Urlaub können die Ärmeren in Deutschland offenbar mehr ausgeben: Zwar konnte mehr als die Hälfte von ihnen (57,6 Prozent) aus finanziellen Gründen nicht einmal für eine Woche in Urlaub fahren – in der Europäischen Union liegt der Wert allerdings bei 70,4 Prozent.

Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Das trifft auf 13 Millionen Menschen in Deutschland zu. In Berlin gilt jeder siebte Bewohner als armutsgefährdet, vor allem Familien mit kleinen Kindern sind betroffen. Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt in Berlin bei 798 Euro monatlichem Nettoeinkommen eines Erwachsenen. Die Armutsschwelle liegt bei 665 Euro (50 Prozent). Als streng arm gilt, wer weniger als 532 Euro (40 Prozent) zur Verfügung hat. Der deutsche Schwellenwert lag 2011 für eine allein lebende Person in Deutschland bei 980 Euro im Monat und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2058 Euro

Während sich in vielen Ländern die soziale Lage wegen der Finanz- und Schuldenkrise verschlechtert hat, hat sie sich in Deutschland aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs verbessert. So lag der Anteil derjenigen, die sich 2008 keine Urlaubsreise gönnen konnten, mit 25,2 Prozent höher als aktuell. Auch mussten vor sechs Jahren noch häufiger Abstriche beim Essen gemacht werden (10,9 Prozent).

Ein Auto ist unterdessen für 7,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland finanziell nicht drin. Dieser Anteil ist seit dem Jahr 2008 (5,1 Prozent) kontinuierlich leicht gestiegen. 4,8 Prozent der Haushalte gaben an, ihre Miete oder ihre Rechnungen für Versorgungsleistungen nicht rechtzeitig bezahlen zu können. 2008 sagten das noch 5,6 Prozent. Bei den anderen Faktoren der materiellen Entbehrung ist der Anteil der betroffenen Bevölkerung seit 2008 stetig leicht gesunken.