Untersuchung

Berliner Studie: Sozialversicherung benachteiligt Eltern

Das umlagefinanzierte Sozialversicherungssystem benachteiligt nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung immer stärker Eltern mit Kindern.

Institutsdirektor Reiner Klingholz forderte deshalb in Berlin, dass sich der Staat stärker an den Kosten für Kinder beteiligen und Eltern entlasten müsse. Sonst sei der Fortbestand des Generationenvertrags gefährdet. Die demografische Entwicklung werde die strukturelle Benachteiligung von Kindern verschärfen.

Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte, die Unterstützung von Familien und Kindern müsse höchste Priorität haben. Er bekräftigte seine Kritik an den jüngsten Rentenbeschlüssen der großen Koalition. Die Mütterrente werde falsch finanziert und Rente mit 63 komme nur einer bestimmten Gruppe zugute. Das „bringt uns demografisch nicht weiter“, sagte er.

Nach Einschätzung von Klingholz verstößt vor allem die Rente mit 63 gegen die Generationengerechtigkeit. Eltern könnten weniger arbeiten als Kinderlose und erwirtschafteten deshalb niedrigere Rentenansprüche. Zugleich hätten sie für Erziehung und Ausbildung hohe Ausgaben, sagte Klingholz. Der Generationenvertrag sei unvollständig, weil er nur von zwei statt von drei Generationen ausgehe. Schon bei der Einführung des Umlageverfahrens 1957 habe es Ausgleichsvorschläge wie eine Kinderkasse gegeben. Auch die rückläufige Erwerbstätigkeit und das steigende Lebensalter verlangen eine Reform der Sozialsysteme. Hinzu kämen Pensionsansprüche von einer Billion Euro, für die es keine Rücklagen gebe, sagte Klingholz.

Um Familie und Beruf besser zu vereinbaren, schlug er bessere Bildungsangebote und den Ausbau der hochwertigen Betreuungsinfrastruktur vor. Auch sollte die Altersgrenze beim Renteneintritt dynamisch angepasst werden. Klingholz möchte das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln. Mit jedem hinzugewonnenen Jahr sollten acht Monate der Arbeit und vier Monate der Rente zugeschlagen werden. Auch sollte der Gesetzgeber den Kreis der gesetzlich Versicherten ausweiten.