Banken

Roboter werden zu Finanzberatern

Trend aus den USA verspricht Einfachheit, wo sich Experten sowieso oft vertun

– Die einfachste Frage steht am Anfang: jene nach dem Alter. Dann will der Computer das Nettoeinkommen und die anzulegende Summe wissen. Dann wird es schwieriger: Ist oberstes Ziel des Anlegers ein maximaler Gewinn oder ein möglichst geringer Verlust? Und was macht er, wenn die Aktienmärkte innerhalb eines Monats um zehn Prozent einbrechen? Alles verkaufen, einen Teil verkaufen, alles behalten, weiteres Geld investieren? „Wir werden jetzt den optimalen Anlagemix für Deinen Risikoappetit finden“, teilt der Computer am Ende mit.

Schon ist das Depot fertig: Es besteht bei einer Summe von 60.000 Dollar aus sechs Indexfonds (ETFs), jenen Produkten, die einen Börsenindex wie den Dax eins zu eins nachbilden. Aktien, Anleihen und Rohstoffe sind abgedeckt, ein Chart zeigt, wie sich das Depot wahrscheinlich in den kommenden Jahren entwickeln wird. Auf einem „Tachometer“ sieht der Anleger seine ermittelte Risikotoleranz. Die Tachonadel lässt sich verstellen, entsprechend ändern sich Anlagemix und Renditeentwicklung.

Mehr als 800 Millionen Dollar will der US-Vermögensverwalter Wealthfront auf diese Art bereits eingesammelt haben. Vor allem junge, gut ausgebildete Menschen gehörten zur Kundschaft, heißt es bei dem jungen Unternehmen. Für die Arbeit verlangt Wealthfront Gebühren in Höhe von 0,25 Prozent. Hinzu kommen rund 0,15 Prozent für die ETFs. Klassische Vermögensverwalter kosten Kunden schnell ein Prozent und mehr.

Für die Kunden wird es billiger

Robo-Advisor, Roboter-Berater heißt der Trend, der nun auch in Deutschland angekommen ist. Keine stundenlangen Gespräche in einer Filiale, keine Fachausdrücke. Einfach und günstig, so lautet das Versprechen. Getrieben sind die Anbieter alle von der Überzeugung: Niemand weiß, wie sich die Kapitalmärkte entwickeln, deshalb sollte man es gar nicht erst versuchen. „Wir sind der Überzeugung, dass der Großteil der Komplexität der Finanzberatung nicht erforderlich ist“, sagt auch Daniel Schneider von der Direktbank Comdirect. Seit Anfang Mai ist auf der Website der Commerzbank-Tochter ein Programm wie das von Wealthfront zu sehen. Bei Comdirect reichen sogar drei persönliche Angaben: Risikobereitschaft, Anlagebetrag und Anlagedauer. Danach kann der Nutzer die Anlagestruktur sehen, und mit einem weiteren Klick kommt er zur Wertpapierauswahl. Vorne steht auch hier eine Auswahl an ETFs.

Indexfonds-Anleger wissen: Am Ende schneiden sie nicht besser, aber auch nicht schlechter als der Vergleichsindex ab. Ein Anleger bekommt auch hier klare Quoten von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, die er in seinem Depot haben sollte – beispielsweise 40 Prozent Aktien, 50 Prozent Anleihen, zehn Prozent Rohstoffe. Und diese gilt es einzuhalten: „Einmal im Jahr werden die Anlagevorschläge überprüft, in den Kundendepots können die Anteile von Aktien, Anleihen, Rohstoffen bei Bedarf wieder auf den Ausgangsstand gebracht werden“, sagt Schneider.

Damit will man die Anleger vor ihren eigenen Emotionen schützen. Der Risikoappetit eines Sparers ist stets höher, wenn die Kurse oben sind und niedriger, wenn sie am Boden liegen. Entsprechend steigt er häufig zum falschen Zeitpunkt ein oder aus. Solche Kurzschlussreaktionen sollen die Roboter verhindern. Die große Herausforderung steht den neuen Anbietern aber erst noch bevor: Wenn die Kurse tatsächlich fallen, so wie in den Jahren 2000 oder 2008. Dann wird sich zeigen, ob die Anleger wirklich die Ruhe bewahren und weiterhin dem Computer ihr Geld überlassen.