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Der „schlimmste Chef“ der Welt

Weltkongress der Gewerkschaften: Der Gründer von Amazon, Jeff Bezos, behandelt Mitarbeiter als „Roboter“

Jeff Bezos ist um einen wenig schmeichelhaften Titel reicher. Der Amazon-Chef wurde von Gewerkschaftern zum „schlimmsten Chef des Planeten“ gewählt. Auf dem Weltkongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) in Berlin kürte die Mehrheit der 20.000 Teilnehmer den milliardenschweren Gründer des Online-Händlers als Negativbeispiel eines Arbeitgebers. Der IGB vertritt 325 Gewerkschaftsorganisationen. Bezos sei der übelste unter den üblen Vorstandsvorsitzenden, befanden die Gewerkschafter. Das Geschäftsmodell von Amazon sei „nicht nachhaltig und basiert darauf, seine Mitarbeiter als inhumane Roboter zu behandeln“, sagte Philip Jennings, Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsverbands UNI Global Union.

Der 50-jährige Bezos hat den weltweiten Einzelhandel revolutioniert. Amazon ist heute der weltgrößte Online-Versandhändler und verkauft längst nicht mehr nur Bücher, sondern auch Elektronik- und Haushaltsartikel, Kunst und sogar Lebensmittel. Bezos werde von vielen als großer Innovator angesehen, so Jennings. „Amazon verdankt seinen Erfolg aber einer Zukunftsvision, die ihre Belegschaft behandelt als wären sie Fabrikarbeiter im 19.Jahrhundert.“

Mitarbeiter seien gezwungen, unter enormem Stress zu arbeiten und müssten viele Überstunden machen. In den Logistikzentren müssten Angestellte am Arm befestigte Minicomputer tragen, die jeden ihrer Bewegungen überwacht. Auch gebe es keinerlei feste Vereinbarungen über Pausen und Arbeitsgeschwindigkeit. Die Arbeitskultur fördere „Mobbing und Schikanierungen“.

In den USA, Großbritannien und Deutschland gab es zuletzt immer wieder Proteste gegen die Arbeitsbedingungen. Vor drei Jahren machte Amazon in den USA Schlagzeilen, weil es seine Arbeiter in den Logistikzentren bei glühender Hitze ohne Klimaanlage schuften ließ.

Ein Bericht des britischen Fernsehkanals Channel 4 deckte 2013 auf, unter welchen unmenschlichen Arbeitsbedingungen die britischen Amazon-Angestellten arbeiten müssen. Die Mitarbeiter wurden demnach mit GPS-Sendern überwacht. Die Zeit für Toilettengänge und andere Pausen wurden akribisch gezählt und sichergestellt, dass die Arbeiter die Pausenzeit von 30 Minuten nicht überschritten. Um während der Mittagspause zur Kantine zu gelangen, mussten die Mitarbeiter in einem Logistikzentrum im englischen Rugeley zunächst das gesamte Lagerhaus durchlaufen – eine Entfernung von neun Fußballfeldern. Zum Essen blieb daher kaum noch Zeit.

Solche Extremfälle sind aus Deutschland nicht bekannt. Doch auch hierzulande kam es zu Protesten. Bundesweit unterhält Amazon acht Versandzentren und beschäftigt 9000 Mitarbeiter. An mehrere Standorten streikten die Mitarbeiter im Dezember.

Nicht nur die Mitarbeiter würden unter dem Geschäftsgebaren des Konzerns leiden, sondern auch die Gesellschaft. Wie viele andere US-Online-Konzerne verschiebt Amazon seine Gewinne so über Landesgrenzen, dass es Steuern minimieren kann. Das ist (bislang) legal, die Unternehmen nutzen Schlupflöcher in der Steuergesetzgebung.