Kaufangebot

Siemens-Chef bekennt sich zur Bahntechnik

Joe Kaeser will Mitarbeiter im Alstom-Poker beruhigen

Im Ringen um die französische Alstom will Siemens-Chef Joe Kaeser die eigene verunsicherte Belegschaft beruhigen. Spekulationen, Siemens könnte sein gesamtes Bahngeschäft restlos gegen die Energietechnik der Franzosen eintauschen, trat er am Donnerstag entgegen. „Ich kann unseren Mitarbeitern versichern, dass wir langfristig im Bahngeschäft engagiert bleiben wollen – egal in welcher Konstellation. Wie dann gegebenenfalls Mehrheitsverhältnisse kurz und langfristig aussehen würden, müsste man sehen“, sagte Kaeser der Siemens-Mitarbeiterzeitung. Zum Bahngeschäft gehört unter anderem der ICE.

Die IG Metall befürchtet, die Beschäftigten in der Zugsparte könnten im Bieterwettkampf mit General Electric (GE) um Alstom unter die Räder kommen. Für Freitag rief die Gewerkschaft zu Protesten auf. In Berlin wollen sich Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall vor dem Siemens-Verwaltungsbau an der Nonnendammallee treffen. Die Proteste richten sich hauptsächlich gegen Kaesers Sparkurs, der die Kosten bei Siemens um eine Milliarde Euro drücken soll. Von Kaesers Umstrukturierung sind mehr als 10.000 Arbeitsplätze unmittelbar betroffen – vor allem in der Verwaltung der vier Sektoren, in denen Siemens das Geschäft unterhalb des Vorstands gebündelt hat und die bis Herbst abgeschafft werden sollen.

Ein Schwerpunkt der Demonstration soll das Münchener Lokomotivenwerk werden. Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler pochte darauf, dass die Zugtechnik-Beschäftigten auch unter Alstom weiter von den mit Siemens getroffenen Regelungen geschützt würden. „Eine Voraussetzung dafür ist aus Sicht der IG Metall, dass Siemens in einem wie auch immer gearteten Joint Venture maßgeblich Verantwortung übernimmt und langfristig engagiert bleibt“, sagte Wechsler. Siemens-Chef Kaeser betonte unterdessen die Schlagkraft seines Hauses im Kampf mit dem US-Rivalen GE um Alstom. „Wenn irgendein Wettbewerber gedacht hat, wir wären gerade so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir nicht jederzeit und überall handlungsfähig sind, dann war das ein ziemlicher Irrtum“, sagte er. „Wir sind und bleiben sehr handlungsfähig – strategisch und finanziell.“

GE verlängerte die Frist für sein Kaufangebot vom 2. bis zum 23. Juni. Diese Entscheidung sei „auf Bitten der französischen Regierung“ erfolgt und solle die laufenden Verhandlungen mit den politischen Stellen in Paris erleichtern, teilte GE am Donnerstag mit. Das Angebot in Höhe von 12,35 Milliarden Euro bezeichnete General Electric als „gut für Alstom, für Frankreich und für GE selbst“.