Gründerzeit

Die virtuelle Welt kommt jetzt ins Kinderzimmer

Jürgen Stüber über die Toywheel-App, die digitale Inhalte in reale Bilder auf dem Smartphone einblendet

Die Welt der Berliner Start-ups ist immer in Bewegung. Toywheel holt jetzt die virtuelle Welt ins Kinderzimmer. Das Projekt für die reale Kinderzimmerwelt, eine Art Suchmaschine für Spiele zu entwickeln, liegt auf Eis. Die Berliner haben im Apple-Store die Spiele-App „Toy Cars RC“ für Kinder gelauncht, bei der ein virtuelles Auto durch die reale Welt fährt. Augmented Reality wird diese Technologie genannt, was so viel wie „erweiterte Realität“ bedeutet. Die App wird von Apple als eine der besten neuen Apps für Kinder beworben.

Der Spieler sieht auf dem Display seines iPad oder iPhone das Bild der eingebauten Kamera von seiner direkten Umgebung. Die App blendet in dieses Bild digitale Inhalte ein. Bei der Toywheel-App handelt es sich dabei um ein Auto, das durch eine Kulisse aus Gebäuden einer Westernstadt gelenkt werden kann und dabei allerlei Trümmer produziert, bevor es sein Ziel erreicht. Das Smartphone wird auf diese Weise ein Fenster zum Spielen.

Anders als bei klassischen Online-Games können die Kinder frei herumlaufen, die Umgebung erkunden und allein oder gemeinsam das Spiel erlernen. Gründer Evgeni Kouris langfristiges Ziel ist, alles, was Kinder sehen, hören oder fühlen können – reale Gegenstände, Geräusche, Zeitveränderungen, Wetter – im virtuellen Erlebnis widerzuspiegeln und kinderleicht aufzubereiten. Bei der App gibt es keine Gewinner oder Verlierer – übrigens auch weder In-App-Käufe noch Anzeigen.

Toywheel hat die App mit Hilfe des Unternehmens Metaio (München und San Francisco) entwickelt, das zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich der Augmented-Reality-Technologien gehört. Entwickler haben mit Metaio-Software bereits mehr als 1000 Apps programmiert und damit mehr als 30 Millionen Nutzer erreicht. Mehr als 80.000 Programmierer weltweit nutzen den Entwicklerbaukasten (Creator) von Metaio, mit dem sich Augmented-Reality-Apps bauen lassen.

Toywheel war als Plattform für Spielideen entstanden, die zum Großteil in der realen Welt gespielt werden konnten. Sie sollte eine Inspirationsquelle sein. Die Plattform wollte von der Konzeption her eine Suchmaschine für Spiele sein, von der optischen Präsentation eine Art Pinterest für Spiele. Toywheel hatte als Partner den Kölner Verlag Labbé gewonnen, der seit 55 Jahren auf dem Spielemarkt unterwegs ist.

Toywheel versuchte mit dieser Idee auf einem umkämpften Markt Fuß zu fassen. Die Start-ups Tollabox und Wummelkiste versuchen seit Langem, Abomodelle für Spielekisten zu etablieren, die mit ähnlichen Inhalten gefüllt sind, wie man sie auch auf der Toywheel-Plattform finden konnte, und monatlich um die 20 Euro kosten.

In einem Wettbewerb wollen Metaio und Toywheel jetzt Ideen und Visionen für Augmented-Reality-Spiele für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sammeln. Alles, was im Leben von Kindern eine Rolle spielt, kann aufgegriffen werden. Es geht darum, Konzepte zu entwickeln, wie Spielzeug in der Zukunft aussehen könnte und wie Kinder zukünftig durch die Verschmelzung von physischen und digitalen Medien spielen und lernen. Die Ideen können bis 15. Juni eingereicht werden.

Finanziert wird Toywheel durch Business Angels, unter anderem Brendan Donovan, Vater von drei Kindern, IT-Unternehmer und vertraut mit den neuesten Entwicklungen im Bereich Augmented Reality. Mitgründer des Projektes ist Christian Bittler.

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