Kriminalität

Morddrohungen gegen Maschmeyer

Gründer des AWD soll seine Klage gegen Mitarbeiter einer Bank fallen lassen

Der Unternehmer Carsten Maschmeyer wird erpresst. Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hannover am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Der frühere AWD-Chef habe zwei Drohbriefe erhalten, in denen es „konkrete Bezüge“ zu einem Rechtsstreit gebe, den dieser offenbar derzeit führe. Dem Geschäftsmann werde angedroht, „das Urteil nicht zu erleben“, falls er die Sache weiter verfolge. Laut „Bild“-Informationen soll die Tat in Zusammenhang mit seiner Klage gegen Mitarbeiter der früheren Bank Sarasin stehen. Er soll die Briefe am 25. April und 8. Mai erhalten haben. Maschmeyer und seine Familie würden rund um die Uhr bewacht, alle beruflichen Termine mit der Polizei abgesprochen.

Der Unternehmer werde in den Briefen aufgefordert, nicht mehr juristisch gegen den umstrittenen Investmentfonds „Sheridan“ vorzugehen, heißt es. Nebst Maschmeyer hatten weitere Prominente zwischen 2010 und 2011 mehrere Millionen Euro in den Fonds der Luxemburger Firma investiert. Der Fonds warf zunächst durch sogenannte Cum-Ex-Geschäfte, den schnellen Handel mit Aktien mit und ohne Dividendenanspruch, hohe Renditen ab.

Gegenüber handelszeitung.ch hatte Maschmeyer betont, dass ihm die „Sheridan Solutions Equity Arbitrage Funds“ als sicheres, seriöses und legales Geschäft verkauft worden seien. „Die Investition wurde mir als konservative Aktienanlage angepriesen, die sich x-fach bewährt habe“, sagte er. Von der Einlagesumme von 40 Millionen Euro habe die Bank aber bisher erst 26 Millionen zurückbezahlt. „Wir Investoren hatten keine Ahnung, dass die Bank das Geld für Steuertricks eingesetzt hat.“ Der Profit ging indes zu Lasten des Steuerzahlers – Deutschland schloss die Gesetzeslücke im Jahr 2011.

Ein Sprecher von Sarasin hielt in der Vergangenheit fest, dass die Bank zu keiner Zeit den deutschen Fiskus betrogen habe. Die fraglichen Investmentfonds seien von Dritten konzipiert und als gesetzeskonforme Investmentmöglichkeit nach deutschem Wertpapier- und Steuerrecht angesehen worden. Maschmeyer vermutet, dass die Bank absichtlich Kundeninformationen der Presse zuspielte. „Sarasin wollte sich damit aus der Schusslinie nehmen und die Opfer zu den Tätern machen“, so der 55-Jährige zu handelszeitung.ch.

Maschmeyer ist Finanzinvestor, Unternehmer und Berater. Der 55-Jährige hatte den Finanzkonzern AWD gegründet, den er 2007 an den Versicherer Swiss Life verkaufte. Seine vielfältigen Beteiligungen werden aktuell unter dem Dach seiner „Maschmeyer Group“ verwaltet. Unter anderem finanziert der Geschäftsmann kleinere Technologieunternehmen in der Startphase. Maschmeyer ist mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert.